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  "Akzeptanz aller Lebensformen steht aus"

[Letzte Aktualisierung: 15.05.2004 ]

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Kirchliche Texte

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. - Texte

Stellungnahme der Evangelischen Frauenhilfe In Deutschland zu gleichgeschlechtlich liebenden Menschen

"Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit eingetragener Lebenspartnerschaft muss öffentlich im Gottesdienst, im Rahmen einer Kasualhandlung möglich sein und kann nicht auf seelsorgliche Begleitung und individuellen Segen beschränkt werden." Das forderte die Evangelische Frauenhilfe in Deutschland (EFHiD) in einer Stellungnahme zu gleichgeschlechtlich liebenden Menschen, die die Delegierten der Jahreshauptversammlung am 4. Mai 2004 in Erfurt verabschiedet hat. Der vollständige Text wird im Folgenden dokumentiert.

Die EFHiD vernetzt und fördert als Dachverband die kirchliche Frauenarbeit in 14 Landeskirchen. Sie ist mit rund 12.000 Gemeindegruppen die mitgliederstärkste Basisorganisation innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Jahreshauptversammlung ist das entscheidende Organ des Verbandes, dem rund 40 Delegierte aus 17 Mitgliedsorganisationen angehören.

Evangelische Frauenhilfe: "Befreit zur Gemeinschaft in Vielfalt"

1.
Entsprechend ihrem Selbstverständnis als Gemeinschaft in Vielfalt respektiert die Evangelische Frauenhilfe in Deutschland (EFHiD) die verschiedenen Lebensformen von Frauen. Sie gestaltet daher alle ihre Arbeitsfelder so, dass Frauen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensbezügen sich bereichern, herausfordern und stützen können. Die EFHiD benennt Strukturen, Werte und Verhaltensmuster in Kirche und Gesellschaft, die Frauen benachteiligen, und fordert Gerechtigkeit ein. Darin sieht sie sich in der befreienden Tradition des Evangeliums von Jesus Christus, der die Menschen zu einem verantworteten Leben vor Gott und den Mitmenschen ruft.

2.1
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben und Schwulen hat im Lauf der letzten Jahre zugenommen. Deutlich wird dies durch die verstärkte Präsenz von Lesben und Schwulen in den Medien und der Öffentlichkeit.
Die EFHiD begrüßt insbesondere, dass durch die Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes (LPartG) auch für lesbische und schwule Paare ein familienrechtliches Institut und damit die Möglichkeit einer rechtlichen Absicherung ihrer Partnerschaft geschaffen wurde.

2.2
Dennoch ist die Lebenssituation von Lesben und Schwulen noch immer von Benachteiligung und Diskriminierung bestimmt:

3.1
In den vergangenen Jahren haben sich auch Kirche und Theologie verstärkt mit dem Thema Homosexualität auseinandergesetzt. Biblisch-theologische Aussagen wurden in vielen Gemeinden, Landeskirchen, Frauenwerken und -verbänden kontrovers diskutiert. Die EFHiD begrüßt, dass sich im kirchlichen Kontext vielerorts der Umgang mit Lesben und Schwulen verändert hat. Sie werden zunehmend als Gemeindeglieder akzeptiert, ihre Partnerschaften werden respektiert und in den meisten Landeskirchen ist eine Tätigkeit im kirchlichen Dienst möglich. Zunehmend tragen die Landeskirchen dem Wunsch lesbischer und schwuler Paare nach Segnung Rechnung.

3.2
Dennoch tragen auch Christinnen und Christen weiter Verantwortung für die Diskriminierung von Lesben und Schwulen – in der Tradition eines christlichen Menschenbildes, das Homosexualität zur Sünde erklärt hat.

4.
Kirche ist lebendig, wo sie Menschen die befreiende Botschaft von Gottes Liebe und Gerechtigkeit vermittelt. Sie ist glaubwürdig, wo sie sich mit ihrer eigenen Praxis an diese Botschaft hält: Wo sie Partei für Benachteiligte ergreift.
Die EFHiD tritt für Gerechtigkeit, für Menschenrechte und insbesondere für die Rechte von Frauen in Kirche und Gesellschaft ein. Sie übernimmt Verantwortung für den Aufbau einer Gesellschaft, in der Minderheiten geschützt sind und Männer und Frauen ihre Lebensgemeinschaft ihrer sexuellen Identität entsprechend verantwortlich gestalten können.

 

Die EFHiD fordert deshalb die Bundesregierung auf, die volle rechtliche Gleichstellung umzusetzen, und stellt fest:

Die EFHiD fordert sowohl die EKD als auch die Landeskirchen auf, den Diskussionsprozess in ihren Gremien und Gemeinden aktiv zu fördern und dafür Sorge zu tragen, dass Akzeptanz selbstverständlich wird.

Verabschiedet von der Jahreshauptversammlung der EFHiD
Erfurt, 4.5.2004


Weitere Information:
Öffentlichkeitsarbeit der EFHiD, Dr. Claudia Eliass
Fon: 0211 — 9 40 80 17
eMail: oeffentlichkeit@frauenhilfe.de