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  Bistumstag Aachen 1996  

[Letzte Aktualisierung: 13.04.2002 ]

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Kirchliche Texte

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Homosexuelle Lebenssituation

Empfehlung des Bistumstags des Bistums Aachen, 1996

Der folgende Text ist eine von mehreren Empfehlungen des Bistumstags der römisch-katholischen Diözese Aachen aus dem Jahr 1996. Dem Bistumstag gehörten Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden, der Verbände und Gruppierungen sowie Mitarbeiter im pastoralen Dienst (Laien wie Kleriker) an. Er ist kein kanonisches Organ, kann aber als „beratende Bistumssynode“ verstanden werden.

Text kopiert von der Web-Seite der HuK-Regionalgruppe Aachen, wo man auch Näheres dazu nachlesen kann, wie sich die Diözese Aachen mit dem Thema Homosexualität beschäftigte, und welche Rolle die HuK-Regionalgruppe Aachen dabei spielte.

Homosexuelle Lebenssituation

Empfehlung

„Verbände und Gemeinden sind darin zu bestärken, sich mit der Problematik der Homosexualität vertraut zu machen, so daß sich ein differenziertes und respektierendes Verständnis für homosexuelle Veranlagte in der kirchlichen Öffentlichkeit entwickelt. Als Mitglieder der Gemeinden sind die homosexuell veranlagten menschen zur aktiven Teilnahme am kirchlichen Leben zu ermutigen und auch zur Mitarbeit willkommen. In diesem Zusammenhang ist das Bemühen unseres Bischofs zu begrüßen und zu bestärken, den gewachsenen Dialog mit der Gruppe 'Homosexuelle und Kirche' in unserem Bistum fortzusetzen. Es wäre zu begrüßen, wenn eine interessierte Öffentlichkeit in unserem Bistum an dem Prozeß dieser Gespräche teilhaben könnte, denn die Gesprächsoffenheit des Bischofs ist eine Ermutigung, in mach Unterscheidendem das Gemeinsame des Lebens und des Glaubens zu entdecken.“

Votum

„Der Bischof von Aachen wird gebeten im Gespräch mit der Deutschen Bischofskonferenz die Situation homosexuell lebender und liebender Menschen zu bedenken und zu erörtern, inwiefern die geltenden Aussagen der katholischen Kirche zu korrigieren sind.“

Begründung

„Die Sxualität ist eine Gabe des Schöpfers für den Menschen. Sie ist kreative Kraft und besitzt kommunikative Qualität. In den Entwicklungsstufen und Erscheinungsformen kommt der Facettenreichtum dieser göttlichen Gabe zum Ausdruck. Dies gilt, ob ein Mensch seine Sexualität lebt oder auf sie verzichtet.

Homosexuell lebende und liebende Menschen stehen wie heterosexuell Lebende und Liebende unter der gleichen sittlichen Verpflichtung, in ihrem Leben dem Willen Gottes in Wort und Tat immer näher zu kommen, ihre Geschlechtlichkeit zu bejahen und verantwortlich in die Personalität zu integrieren. Sie in dieser - allen aufgetragenen - Aufgabe zu unterstützen, ist eine Verpflichtung nicht nur für Erziehende und Lehrende, sondern in besonderer Weise auch für alle Verantwortlichen in den Kirchen und Gemeinden.

Homosexuell geprägte Menschen erleben durch die ihnen eigene Erfahrung der Sexualität in der Gesellschaft, die von der Normalität der Heterosexualität ausgeht, Fremdheit und die Stigmatisierung der Anomalität. Die Entwicklungsphase hin zum Erwachsenwerden ist gerade für Menschen, die sich als homosexuell erkennen, oft gekennzeichnet von der Erfahrung, diese, das ganze Lebende betreffende Einsicht, alleine und ohne Hilfe vertrauter und geliebter Menschen durchleben zu müssen: in den wenigsten Situationen offenbaren sie sich Eltern oder andere Vertrauten an; im Gegenteil sind es gerade diese Menschen, die erst dann in das Lebensgeheimnis eingeweiht werden, wenn der Reifungsprozeß ganz durchschritten ist. Deswegen ist es von besonderer Bedeutung, daß in Fragen der Erziehung und Begleitung von jungen Menschen das Thema Homosexualität wohlwollend und ermutigend in das Vertrauensverhältnis integriert wird.

Häufig wird homosexuell veranlagten Menschen entgegengesetzt, ihr Verhalten sei unnatürlich und nicht gottgemäß. Als eine in der Minderheit wahrgenommene Lebenswirklichkeit erweckt die Homosexualität bei vielen das Bedürfnis nach einer besonderen Erklärung. Damit wird der Versuch unternommen, das Normale, Mehrheitliche und Bekannte abzugrenzen und eben dadurch zu bestätigen. Dabei wird übersehen, daß die Festlegung dessen, was als natürlich gilt, erst von der jeweiligen Gesellschaft in ihren kulturellen Normen und Werten bestimmt wird. Zuweilen wird der Wunsch nach einer Ursachenforschung über Homosexualität darum ausdrücklich bei Kritikern und der Homosexualität gegenüber abgeneigten Menschen laut, um ein Vorurteil theoretisch bekräftigen zu können. In der Erkenntnis dessen und in der von der Mehrheit der ernstzunehmenden Wissenschaftlern bestätigten These, daß es bislang keine plausible Theorie über die Entstehungsbedingungen der Homosexualität gibt, sollte diese als eine Variante menschlicher Lebensgestaltung akzeptiert werden. In dieser Erkenntnis hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst in diesem Jahrzehnt die Homosexualität aus dem Katalog der Krankheiten gestrichen.

Ebenso ist der Hinweis auf die fehlende Gottgemäßheit kritisch zu betrachten, da die Heilige Schrift keine Aussagen zur Homosexualität macht, die nicht geprägt wären von der damals geltenden gesellschaftlichen Überzeugung. Auch die Aussagen über Sexualität, die sich in der Schöpfungslehre finden, lassen sich nicht auf den Zweck der biologischen Fortpflanzung reduzieren; gerade im Buch Genesis liegt der Ursprung für die Einheit der leib-seelischen Dimension der Sexualität, die ein Bild des Segens Gottes ist. Das Kennzeichen der Gottesebenbildlichkeit, die dem Menschen zugesprochen ist, ist unabhängig von seinem Geschlecht, allein gebunden an der Verpflichtung zur verantworteten Liebe.“