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  "Homosexualität und geistliche Berufe"  

[Letzte Aktualisierung: 13.04.2002 ]

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Kirchliche Texte

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

"Homosexualität und geistliche Berufe"

Stellungnahme der Sprechergruppe der Gruppen katholischer schwuler Priester in Deutschland zum Arbeitspapier der Deutschen Bischofskonferenz

Der Sprecherkreis der Gruppen katholischer schwuler Priester in Deutschland hat sich bei seiner Arbeitstagung am 25. Oktober 1999 in Frankfurt/M mit dem Arbeitspapier der Deutschen Bischofskonferenz "Homosexualität und geistliche Berufe" auseinandergesetzt und gibt dazu folgende Stellungnahme ab:

1) Wir sehen in dem nicht offiziell veröffentlichten Papier der Deutschen Bischofskonferenz positive Ansätze, die basieren auf Aussagen neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Diese seien nachfolgend stichpunktartig erwähnt:
2) Diese positiven Aussagen werden erheblich beeinträchtigt durch Schlussfolgerungen und Verhaltensmaßregeln, die das gesamte Papier in sich als widersprüchlich erscheinen lassen müssen:
a) Homosexualität wird auch weiterhin pathologisiert

Homosexualität wird weiterhin als Störung betrachtet (Vgl.Stichwort: Triebdruck) in psychosozialer Sicht.

Eine Störung dieser Art mag zwar im Einzelfall vorliegen; dass diese aber dann zumeist verursacht wird durch eine Strategie der Isolierung durch die Kirche bzw. ihre verfehlte Pastoral, gegründet auf eine Glaubenslehre, die weder der Intention des Glaubens noch der Würde des Menschen entspricht, wird nicht wahrgenommen, geschweige denn reflektiert.

Selbst eine "Neigungshomosexualität" wird im Einzelfall als therapiewürdig dargestellt. Es wird nicht wahrgenommen, dass es keine Belege gibt für eine dem einzelnen hilfreiche Umkehrung der sexuellen Orientierung, während es sehr wohl wissenschaftliche Belege für eine Deformation der Persönlichkeit durch die Therapie gibt.

b) der homosexuell veranlagte Kandidat bzw. Priester wird nicht als soziale Person betrachtet sondern in die Vereinsamung gedrängt

Die Auseinandersetzung mit einer homosexuellen Veranlagung eines Priesters oder Priesteramtskandidaten wird reduziert auf ein "Vier-Augen-Gespräch" (geistlicher Begleiter, Regens, Spiritual, Therapeut). Der einzelnen Person als soziales Wesen wird jedwedes Umfeld verwehrt, das zu einer ganzheitlichen Integration der Persönlichkeit beitragen könnte.

Durch die insistierende Aufforderung, sich dem Regens (als Kandidat) bzw. dem Personal-Vorgesetzten (als Geweihter) zu offenbaren, begibt sich ein schwuler Kandidat bz. Priester in die Abhängigkeit seiner Vorgesetzten. Gleichzeitig muss er befürchten, dass seine Person und seine bisherige Tätigkeit nur noch durch die "Rosa Brille" gesehen wird. Ein zukünftiger Einsatz gemäß seiner umfassenden Qualifikation ist geradezu ausgeschlossen.

Es kann nicht angehen, dass ein möglicher schwuler Priesteramtskandidat unter anderen Kriterien und Maßstäben betrachtet und bewertet wird in der Vorbereitung auf die Priesterweihe als ein heterosexuell veranlagter Kandidat. So ist doch die Frage erlaubt, warum einem schwulen Kandidaten der Besuch einer womöglich vorrangig von schwulen Besuchern frequentierten Discothek als Grund vorgehalten werden kann, er sei für die Weihe nicht geeignet, da er "einschlägige Treffpunkte" nicht meide. Man stelle sich einmal vor, im Pendant wäre ein heterosexuell veranlagter Kandidat für die Weihe nicht zulässig, weil er Orte aufsucht, die vorrangig von Frauen besucht werden. Die Unterstellung, dass ein schwuler Mann (und Priesteramtskandidat) in jedem anderen Mann einen potentiellen Sexualpartner zu finden bemüht ist, ist wohl eher eine in der Realität nicht belegbare Unterstellung der Schreiberinnen und Schreiber des Arbeitspapieres.

Dass ein schwuler Priesteramtskandidat "angewiesen" ist, sich "Entspannung" für seine Aufgaben aus sexuellen Beziehungen zu holen" (vgl. Arbeitspapier 4.10/b) lässt sowohl in der Sprachform als auch im Inhalt wenig Differenzierungsvermögen erkennen. Dieser Gefährdung, in eine unverantwortliche sexuelle Bindung zu flüchten, gilt doch wohl gleichermaßen für homo- wie für heterosexuelle Männer.

Achtungsvoll nehmen wir zur Kenntnis, dass wir als Gruppen katholischer schwuler Priester in Deutschland von den Bischöfen wahrgenommen werden als eine ernst zu nehmende Größe; dass uns als Gemeinschaftsverbund katholischer schwuler Priester sogar zugestanden wird, im Einzelfall Hilfe zu sein für einen Kollegen, erinnert uns auch an unsere Verantwortung (vgl. das Arbeitspapier Punkt 5.8). Eben deshalb verwehren wir uns auch gegen die Aussage, dass unsere Mitglieder "noch", sondern gerade ermutigt und bestärkt durch den Austausch in den Gruppen entschieden im pastoralen Dienst stehen und sich zu ihrem Dienst bekennen.

3) Als Resümee ist festzustellen: Das Arbeitspapier der Deutschen Bischofskonferenz versäumt die Chance zu integrieren und erschwert dem einzelnen Kandidaten bzw. Priester, Vertrauen zu seinen Vorgesetzten und übergreifend zu seiner Kirche aufbauen zu können

Eine Vertrauensvolle Begegnung zwischen Priesteramtskandidaten und der Ausbildungsleitung bzw. zwischen Priestern und Vorgesetzten ist erheblich gestört. Die defizitäre Wahrnehmung der Lebenswelt schwuler Priester bzw. Priesteramtskandidaten, die geradezu kriminalistischer Beobachtung unterzogen werden (vgl. Arbeitspapier Nr. 4.10), zerstört Vertrauen.