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Zu der Weisung (Nov. 2005) aus dem Vatikan gegen schwule Priester |
[Letzte Aktualisierung: 24.11.2005] |
[Wir gehen in dieser Stellungnahme davon aus, dass der am 22./23.11.2005 bekannt gewordene Text dem entspricht, der vom Vatikan am 29.11. offiziell vorgestellt werden soll.]
Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. lehnt die neue Weisung des Vatikans, Homosexuelle als Priesteramtkandidaten praktisch auszuschließen, ab. Homosexuelle nicht zum Priesteramt zuzulassen, stellt eine ungerechte Verallgemeinerung dar, mit der Schwule zu Sündenböcken gemacht werden. Das Priesteramt bedarf einer Grund legenden Reformierung. Die Ausgrenzung einzelner sollte in einer lebendigen und christusgemäßen Kirche keinen Platz haben.
Die Weisung stellt homosexuell orientierte Priesteramtskandidaten in vielem schlechter als andere. Damit verstößt die Weisung sogar gegen die eigene, offizielle Lehre der römischen Amtskirche. Im Weltkatechismus heißt es u. a. "Man hüte sich, sie [die Homosexuellen] in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen". Und doch werden an schwule Priesteramtskandidaten eine Reihe von speziellen Forderungen gestellt:
Vergleichbare Forderungen, die noch weit über die allgemeine Zölibatsforderung hinausgehen, werden an heterosexuelle Kandidaten nicht gestellt.
Gleichzeitig wird von der verhängnisvollen Einengung der Sexualität auf das mit Fortpflanzung unauflöslich verknüpfte "natürliche Gesetz" (Weltkatechismus) nicht abgegangen.
Es war nicht zu erwarten, dass die römisch-katholische Kirche heute schon über ihren Schatten springen und von der Forderung nach dem Zölibat abrücken würde. Wir sehen, wie auch viele Theologen, darin die tiefere Ursache für ein verkrampftes Verhältnis zur Sexualität allgemein und damit für eine Entfremdung von der Welt, in der Christen stehen und die zu gestalten sie aufgerufen sind. Die Kirche darf nicht in Maßnahmen verfallen, die nur zu einem Klima der Einschüchterung und des Versteckens führen statt zu der Freiheit, zu der Christus seine Kirche berufen hat.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, z.B. aus Gottesdiensten der HuK, dass eine offene Aussage "Auch ich bin schwul" (die noch nichts über ein Praktizieren der Homosexualität aussagt) manchmal hilfreich und nötig ist, damit die schwulen und lesbischen Gemeindeglieder sich in ihrer Kirche wieder akzeptiert fühlen. Die mit der Weisung verbreitete Stimmung wird eine solche Offenheit unterbinden. Kirche wird wieder zu einem von Angst erfüllten Raum.
Wir nehmen wahr, dass einige von konservativer Seite vorgebrachte Forderungen nicht in das Schreiben aufgenommen wurden:
Diese positiven Ansätze, auch wenn sie zum Teil Selbstverständlichkeiten sind, begrüßen wir.
Gleichzeitig sehen wir in dieser Weisung ein ungeeignetes Mittel, mögliche Missbrauchsfälle durch Priester zu vermeiden. Dies ist kein Problem der sexuellen Orientierung sondern des verkrampften Umganges mit Sexualität insgesamt.
Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal. 5,1)
Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Thomas Wunsch (HuK-Vorstand)
Tel. 0162 / 9638657
Email
thomas.wunsch@huk.org
Dr. Reinhold Weicker (HuK-Pressesprecher)
Tel. 05251 / 66018
Email
presse@huk.org