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  HuK-Archiv: Texte des Monats  

[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ]

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Archiv: TdM

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Aus dem HuK-Archiv: Text des Monats Oktober 1999

 

Während des Bundestagswahlkampfes 1980, der von den beiden großen Politikfiguren Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß geprägt war, machte die kleine FDP dadurch auf sich aufmerksam, daß sie den §175 zum Wahlkampfthema erklärte. Es gab die Zusage, auf die Streichung dieses Paragraphen hinzuwirken. Als der Wahlkampf vorbei und die alte Koalition aus SPD und FDP bestätigt war, wurde es zwar (wie leider zu erwarten war) ruhiger um dieses Thema. Dennoch hielt es sich einige Zeit so stark in der Diskussion, daß sich kirchliche Kreise zu einer Stellungnahme genötigt sahen. So kam es, daß die deutsche evangelische Allianz im Spätsommer 1981 eine Resolution gegen die Aufhebung des §175 herausgab.

Auf die Resolution nun antwortete die HuK prompt mit einer Presseerklärung, die im folgenden wiedergegeben ist.

Aus dem HuK-Info Nr. 31, November/Dezember 1981, S. 49.

 

Presseerklärung der HuK zur "Resolution der deutschen evangelischen Allianz gegen die Streichung des §175"

Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche" protestiert mit allem Nachdruck gegen die Resolution des Geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Evangelischen Allianz vom September 1981. Diese Resolution unterstellt der Bewegung zur Abschaffung des §175 StGB grundsätzlich inhumane, kriminelle Motive und diffamiert durch ihren Wortlaut alle Homosexuellen.

Die Resolution der Evangelischen Allianz stellt damit eine flagrante Verletzung der Würde und integren Persönlichkeit einer ganzen Personengruppe unseres Volkes und unserer Kirchen dar. Homosexuelle Christen, die für ihre Menschenrechte kämpfen, werden als "auflösende und zerstörenden Kräfte in unserem Volk" verunglimpft. Völlig haltlos wird behauptet, Kinder und Jugendliche seien in ihrer Gesellschaft "schutzlos der Verführung und Verderbnis preisgegeben".

Wer solche Worte findet, leistet als Christ jenen Kräften Vorschub, die schon einmal Christen ins Konzentrationslager gebracht haben. Wir erkennen darin eine Vorurteilskampagne, die sich bewußt weigert, fundierte wissenschaftliche Arbeiten zur Kenntnis zu nehmen und ein falsches Urteil über Homosexuelle zu revidieren.

Es ist der Geist der Inquisition und der Scheiterhaufen, der aus den Worten der Evangelischen Allianz zum §175 spricht. Vom Geist der Liebe Christi ist wenig zu entdecken.

Wir fordern die Evangelische Allianz auf, in ihren Verlautbarungen die Diffamierung von Homosexuellen zu unterlassen. Das ist das mindeste, was von gläubigen Christen erwartet werden kann. Es stünde den Verantwortlichen der Ev. Allianz gut zu Gesicht, wenn sie sich über diese Menschengruppe sowohl durch fundierte Fachliteratur der Humanwissenschaften und der Theologie wie auch durch ehrliche Gespräche mit Homosexuellen selbst ein reales, nicht ein ideologisches Bild machen würden. Mitglieder Der Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche" sind zu einem solchen Gespräch bereit.

München, im Oktober 1981