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HuK-Archiv: Texte des Monats |
[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ] |
Seit Bestehen der HuK begleitet uns die Frage, wie mit freikirchlichen und evangelikalen Gruppierungen umgegangen werden soll. Ist mit diesen kirchlichen Vertretungen ein Dialog überhaupt möglich? Soll die HuK für Menschen, die aus diesen Gruppen zu ihr kommt, spezielle Angebote machen?
Aber nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb freikirchlicher Kreise versammeln sich homosexuelle ChristInnen. Am bekanntesten ist wohl die Metropolitan Community Church (MCC). Noch vor deren Hamburger Start 1989 gründete sich eine deutsche Gruppe der Gay European Baptist Federation, ebenfalls in Hamburg. Im Jahre 1987 veranstaltete sie eine Konferenz, zu der sie folgende Pressemitteilung herausgab.
Baptisten - irgendeine Sekte? Nein, vielmehr verbirgt sich eine durchaus respektable evangelische Freikirche hinter diesem Namen. Nicht allzu groß in der BRD doch weltweit ist der baptistische Bund eine der größten protestantischen Kirchen.
Eines der ganz großen Notstandsgebiete für Homosexuelle.
Bei den Baptisten, wo traditionell die möglichst wortwörtliche Befolgung der biblischen Texte versucht wird, begegnet man Homosexuellen nach wie vor äußerst abweisend. Eigentlich hofft man baptistischerseits, in den eigenen Reihen gar keine homosexuellen Mitglieder vorzufinden, da Christsein und homosexuell-sein für unvereinbar gehalten werden. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Und wenn es doch ist, wird es totgeschwiegen.
Daß es immer mehr werden, die sich zu ihrem Christ-, Baptist- und homosexuell-sein bekennen, stößt bei den Gemeinden auf massive Verwirrung. Teilweise wird mit Gemeindeausschluß, "Heilungs"versuchen, zumindest aber mit einer Seelsorge reagiert, die den Betroffenen Zwangsenthaltsamkeit empfiehlt.
Doch immer mehr schwule und lesbische Baptisten/innen verweigern sich dieser Seelsorge und fordern von ihren Gemeinden ihre Annahme als gleichberechtigte und integrierte Mitglieder.
Um diesen, in ihren Gemeinden oft sehr isoliert dastehenden Baptisten Rückendeckung und Ermutigung zu bieten, hat sich im Februar 1987 die GAY EUROPEAN BAPTIST FEDERATION (GEBF) formiert, ein Zusammenschluß homosexueller Baptisten, mit Mitgliedern in Frankreich, den Niederlanden, der Bundesrepublik und der DDR.
Zu einer ersten Konferenz trafen sich vom 23.-25.10. Mitglieder der GEBF im Hamburger Magnus-Hirschfeld-Centrum. Für viele war es eine ganz neue Erfahrung, von ihren Zurückweisungs- und Ausgrenzungserfahrungen zu berichten und auf andere, mit ganz ähnlichen Erlebnissen zu stoßen. Die GEBF will ihre Mitglieder und alle anderen, die noch allein in ihren Gemeinden vor sich hin leiden, ermutigen, rauszukommen, solidarisch ihren Widerstand zu organisieren und sich nicht aus ihren Gemeinden herausdrängen zu lassen. Das Totschweigen und Ausgrenzen zu durchbrechen.
Man darf gespannt sein, auf diesen Versuch, eines der härtesten "Bollwerke" von Homosexuellendiskriminierung in Angriff zu nehmen - die protestantischen Freikirchen.
Hamburg, 30.10.1987