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HuK-Archiv: Texte des Monats |
[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ] |
Als im Herbst 1977 der Spielfilm 'Die Konsequenz' von Wolfgang Petersen im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, schlugen die Wellen der Empörung hoch. So offen wurde bis dahin weder männliche Homosexualität gezeigt, noch so eindeutig die gesellschaftlichen Mechanismen der Diskriminierung und Kriminalisierung angeklagt. Als dann im Frühjahr des kommenden Jahres dieser Film auch noch mit einem Grimme-Preis, der angesehensten deutschen Fernsehauszeichnung, bedacht wurde, gab es erneut Proteste, unter anderem von katholischer Seite. Auf diese Proteste reagierte in einem offenen Brief Johannes Werres in einem Kommentar in der Zeitschrift Publik-Forum.
Kommentar eines Betroffenen zum bischöflichen Protest gegen Homosexuellen-Film
Am 8. November letzten Jahres lief im ARD-Fernsehen der Film "Die Konsequenz", der die Liebe zweier Männer zum Thema hat. Der Bayerische Rundfunk hatte sich kurzfristig aus dem Programm ausgeschaltet. Die Bewertung des Film in der Presse war unterschiedlich, überwiegend aber positiv. Von den Kritikern des Evangelischen Pressedienstes erhielt der Film, der nach einem autobiographischen Roman des Schweizer Schriftstellers Alexander Ziegler gedreht wurde, die Auszeichnung: Bestes Fernsehspiel des Monats November und Dezember 1977. Er wurde daraufhin im 3. Programm des WDR wiederholt. Am 16. März erhielt "Die Konsequenz" den Adolf-Grimme-Preis in Bronze des Deutschen Volkshochschulverbandes e. V. in Marl.
Von katholischer Seite kamen überwiegend negative Stimmen. Die katholischen Bischöfe Nordrhein-Westfalens protestierten in einem Schreiben an den Intendanten des WDR, von Sell, gegen die erneute Ausstrahlung des Films. Ihr Sprecher bei der Düsseldorfer Landesregierung, Prälat Fillbrandt, Leiter des Katholischen Büros, wörtlich: "Ich bin beauftragt, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Film geeignet ist, in erheblichem Maße die Gefühle des katholischen Bevölkerungsanteils zu verletzen."
"Bischöfe schützen katholische Bevölkerung vor Homosexualität". Als ich jene Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur las, mußte ich mich erst einmal hinsetzen. Für wen hatten die Bischöfe Nordrhein-Westfalens da gesprochen? Für mich und meinesgleichen sicher nicht. Seit Jahr und Tag quäle ich mich als Katholik mit meinem Problem herum, und endlich gibt es mal einen Film, der mein Thema diskutiert - da wollen die katholischen Bischöfe meiner Heimat (ich stamme aus Köln) davon nichts wissen; angeblich weil dadurch die Gefühle der katholischen Bevölkerung "in erheblichem Maße" verletzt würden.
Wessen Gefühle? Meine nicht. Auch nicht die meiner Eltern, meiner Geschwister, meiner Verwandten und Freunde, meiner kirchlichen Mitarbeiter, meiner geistlichen Freunde (vom Kaplan bis hinauf zum Professor und Monsignore), meiner ehemaligen und jetzigen Kommilitonen (denn ich war Theologiestudent) usw. usw. Und wäre ich nur der einzige katholische Homosexuelle! Aber es gibt deren Hunderte, Tausende, zig-Tausende. Auch wenn die meisten von ihnen inzwischen, wie ich, eben wegen jener Weigerung, mein Problem zu diskutieren, aus dieser Kirche ausgetreten sind.
Was ist nur an diesem Film. Etwa die Tatsache, daß sich zwei Männer darin lieben? Oder darum, daß hierbei religiöse Aspekte ausgeklammert wurden? Oder ganz einfach darum, weil hier Homosexualität diskutiert wird? Offenbar sind all die vielen Bücher von Fachleuten, von katholischen Theologen zumal, umsonst geschrieben worden. Nordrhein-Westfalens Bischöfe wollen nichts wahrhaben als Roms Verlautbarungen hierzu. Da gibt es keine Diskussionen.
So bleiben wir also wieder einmal unter uns mit dieser Diskussion, mit unserer Haltung. Und homosexuelle Katholiken können weiter nichts tun, als Freunde im progressiven Lager zu suchen und sich die Ohren gegenüber der "Amtskirche" verschließen, auch weiterhin. Bedauerlicherweise. Vor allem, nachdem erst vor kurzem noch dem amerikanischen Jesuitenpater McNeill von Rom der Mund gestopft wurde.