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HuK-Archiv: Texte des Monats |
[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ] |
Im letzten Monat hatte ich drei Texte aus der Huk-Regionalgruppe von Anfang 1984 vorgestellt, die sich alle mit der damals fünfjährigen Geschichte dieser Gruppe auseinandersetzten. Im folgenden sollen nun noch die beiden fehlenden Berichte angeführt werden, so dass ein vielfältiger Blick auf die Anfänge der Regionalgruppe möglich ist.
(Teil 4 von Jürgen S.)
Eine Gruppe homosexueller Christen traf sich regelmäßig in der anglikanischen Kirche im Westend von Frankfurt, sie nannte sich Dignity-Group. Der Name stammt von einem Zusammenschluß amerikanischer homosexueller Christen. Im Winter 1977/78 nahm die Gruppe Kontakt zu der Berliner HuK-Gruppe auf, und man entschloß sich, die erste 'Mitgliederversammlung der HuK in Ffm auszurichten. Dort wurde beschlossen, regionale HuK-Gruppen zu gründen. Die Gruppe Frankfurt bildete sich aus dem damit abgelösten Teil der Dignity-Group.
Die Gruppe bestand anfangs aus 20 Homosexuellen und war zunächst in einer Kirchengemeinde in Frankfurt untergebracht. Nach mehrfachem Umziehen und einer Briefaktion, bei der von 33 angeschriebenen Frankfurter Kirchengemeinden acht antworteten und nur drei Kontaktbereitschaft zeigten, fand sie ihre derzeitige Heimat im Januar 1981 in der Friedensgemeinde, Frankenallee 150. Dort treffen sich am ersten und dritten Sonntag jeden Monats inzwischen durchschnittlich 20 bis 30 Personen. Um 18.00 Uhr beginnen die Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Themenkreisen befassen, so z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Selbsterfahrung, Freizeitgestaltung und Coming-out. Neuankömmlinge haben hier die Möglichkeit, erste Verbindungen zur HUK zu knüpfen. Als Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit ist zu erwähnen, daß die Kontakte Einzelner zur Kirchenleitung der EKHN in Darmstadt es ermöglichten, die anderweitig schon oft genannten Tagungen der ev. Akademie Arnoldshain durchzuführen.
Um 20.00 Uhr ist dann oft Plenum mit Berichten aus den Gruppen und dem Austausch von Terminen und Aktivitäten (auch Einzelner). Wer anschließend noch Muße hat, trifft sich in der für uns gewohnt gewordenen Pizzeria. Etwas privater geht es zu beim "Plausch", der am zweiten und vierten Montag im Monat in der ohnurg eines HuK-Mitgliedes stattfindet.
Jeder, der/jede, die sich hierdurch angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, uns zu besuchen und gegebenenfalls mitzuarbeiten.
(Dieser Artikel stammt noch von Jürgen S., einem Frankfurter HuK-Mitglied, jetzt in Hamburg lebend. Er verfaßte ihn 1983 als "Selbstdarstellung" der Frankfurter HuK. Und er paßt ganz gut zum Thema "Die Frankfurter HuK und ihre geschichtlichen Anfänge".)
(aus: 'Blättchen - Mitteilungen der Frankfurter Regionalgruppe', Nr. 5-84, S. 3)
(Teil 5 von Benno)
1976/77 bestand in Frankfurt eine schwule Gruppe um Thomas W. herum. Gregor und Sören waren dabei. Ich hatte außerdem Kontakt zur Gruppe "Rotz schwul" sowie zur "IHM" in Mainz. In beiden Gruppen war ich Mitglied.
Ich hatte einen Spezialauftrag in Frankfurt als Männerpfarrer neben meiner Gemeindearbeit und war in dieser Funktion 1977 auf dem evang. Kirchentag in Berlin. Ich hatte die Aufgabe Martin Niemöller zu begleiten und hatte gleichzeitig auf dem Stand "Kirche und Polizei" auf dem Markt der Möglichkeiten zu sein. Letzteres entsprach gar nicht meiner politischen Coleur. Bei der Eröffnungsveranstaltung entrollten in meiner Nähe Schwule aus der Berliner A.H.A. ein Transparent. Um dieses Transparent diskutierten die Menschen, was wohl die Homosexuellen auf dem Kirchentag zu suchen hätten.
Da ich mich als Pfarrer zu erkennen gab, wurde ich von der A.H.A. in dieselbe Ecke gestellt wie die Evangelikalen. Ich exegetisierte im Stehen die einschlägigen Stellen der Bibel. Und als es mir zu dumm wurde, gab ich mich als Mitglied der Frankfurter Schwulenszene zu erkennen.
Die A.H.A. hatte auf dem Markt der Möglichkeiten einen Stand ganz in der Nähe von "Polizei und Kirche". Und so musste ich ständig zusehen, daß ich nicht entdeckt wurde. Es kamen noch andere Theologen aus dem würtembergischen Raum, und wir verabredeten uns abends im Zentrum der Berliner Schwulengruppe "Anderes Ufer".
Wir waren abends etwa 20-30 Leute. Gregor war wohl auch da. Ich lernte u.a. Frank-Martin (Zdler in Frankfurt) kennen. Er kam aus dem freikirchlichen Bereich. Außerdem traf ich den von mir sehr geehrten Christen, der als bekennender Christ im KZ war: Dr. Werner K. Sodann lernte ich Heinz Brink als Mitglied der A.H.A. kennen.
Von mir kam der Vorschlag, da wir Theologen in den "säkularen" Schwulengruppen einen schweren Stand hätten als "reaktionäre Leute", wir sollten uns treffen und unsere spezifischen Probleme besprechen. Es sollte eine theologische Arbeitsgruppe sein, wo auch berufsethische Fragen zur Homosexualität besprochen werden sollten.
Dann haben Thomas, Gregor und ich in Mainz und Frankfurt davon erzählt, wie es uns auf der. Kirchentag ergangen ist. Thomas schrieb gerade seine theologische Diplomarbeit über das Thema "Kirche und Homosexualität". Und es entstand als zweite HuK-Gruppe die Frankfurter Regionalgruppe.
Wir trafen uns bei mir im Gemeindehaus. Offiziell hatte ich dem Kirchenvorstand gesagt, daß sich hier eine Selbsterfahrungsgruppe träfe. Denn ich hatte große Ängste und war im kirchlichen Rahmen noch nicht emanzipiert. Von den anderen Frankfurter Schwulengruppen wurden wir beargwöhnt: was das wohl werden solle.
Wir wollten weder die Schwulenbewegung werden noch uns von ihr abspalten, sondern unsere berufsethischen und theologischen Fragen und Probleme besprechen. Bei mir in der Gemeinde war dann die erste Mitgliederversammlung. Das war im Frühjahr 1979. Mit Ludwig aus Freiburg habe ich im Gemeindegottesdienst eine Dialogpredigt gehalten, und es hat mir die Sprache verschlagen, als er mir die Frage stellte: "Was würdest du tun, wenn dein Sohn homosexuell wäre?" Ich war so befangen, daß ich das Wort nicht über die Lippen bekam. Alles war angstbesetzt.
Warum ich nun nicht mehr in die HuK komme, obwohl ich die Homosexuellenfrage in der Telefonseelsorge bearbeite? Mir wurde zuwenig ernsthaft theologisch gearbeitet (ich weiß nicht, wie das jetzt ist!). Zweitens fand ich es brüderlich wie schwesterlich nicht gerade geschickt, in die Kirchengemeinde zu gehen, wo meine inzwischen von mir geschiedene Frau Pfarrerin ist. Deshalb komme ich seit 1981 nicht in die HuK. Und drittens habe ich in den Tiefpunkten meines Lebens: in der Scheidungsphase, in der Depression fast keine Hilfe vonseiten der HuK erfahren. Nur Albert hat sich meiner angenommen.
(aus: dslb., Nr. 6-84, S. 3f.)