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  HuK-Archiv: Texte des Monats  

[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ]

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Archiv: TdM

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Aus dem HuK-Archiv: Text des Monats Mai 2000

ES IST AN DER ZEIT: PROJEKT FARBE BEKENNEN

Anfang der 90'er entschloss sich die HuK, mit einer großen Informationskampagne zum Thema 'Homosexualität und Kirche' in die Offensive zu gehen. Anläßlich dieser Aktion wurde folgende Pressemitteilung herausgegeben:

Presseinformation des Bundesvorstands
ES IST AN DER ZEIT: PROJEKT FARBE BEKENNEN

Das Projekt FARBE BEKENNEN der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. markiert einen völlig neuen Abschnitt lesbisch-schwuler Gemeindearbeit: Ziel des Projektes ist es, Kirchengemeinden, kirchliche Gruppen und Verbände zu finden, die bereit sind, sich mit ihrem eigenen und dem kirchlichen Verständnis von Sexualität und mit der Situation von Lesben und Schwulen in der Kirche auseinanderzusetzen. Ziel des Projektes ist weiter, daß die Teilnehmer nach diesem Diskussionsprozeß in Form einer Solidiritätserklärung bekunden, daß Lesben und Schwule bei ihnen gleichberechtigt willkommen sind.

Die Idee zum Projekt FARBE BEKENNEN entstand 1989 in der Begegnung mit einem Projekt der Lutherans Coneerned, einer nordamerikanischen Lesben- und Schwulengruppe: Unter dem Namen Reconciled in Christ Programm (Versöhnt-in-Christus-Programm) sucht diese Gruppe seit über 10 Jahren Gemeinden, in denen lesbische und schwule ChristInnen gleichberechtigt willkommen sind. Das Projekt FARBE BEKENNEN der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche hat das gleiche Ziel.

Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1991 im Ruhrgebiet stellt die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche das Projekt FARBE BEKENNEN erstmals der Öffentlichkeit vor.

Eine neue Phase in der Gemeindearbeit der HuK beginnt. In der Vergangenheit gab es zwar Ansätze zum konstruktiven Dialog zwischen der HuK und Kirchengemeinden, kirchlichen Verbänden oder Gruppen. Mancher kleine inoffizielle Schritt wurde aufeinander zu getan. Hiervon ist bisher zu wenig in den Gemeinden und den Kirchen bekannt geworden. Manches hat sich auch im Sande verlaufen. Die Gesamtsituation in den Kirchen ist für Lesben und Schwule immer noch unbefriedigend. Homosexuelle kirchliche MitarbeiterInnen, insbesondere lesbische Pfarrerinnen und schwule Pfarrer, müssen in Angst leben, wegen ihrer Sexualität entlassen zu werden. Die Erfahrung, als Lesbe oder als Schwuler in Kirchengemeinden keinen Platz zu haben, ist - von Ausnahmen abgesehen - immer noch die Regel. Die katholische Kirche macht keine Anstalten, ihre ablehnende Haltung gegenüber Lesben und Schwulen zu verändern und die Veränderungen in den evangelischen Landeskirchen bleiben marginal. Keine Gemeinde oder Landeskirche tritt in Deutschland offen für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen ein. Mit unserem Projekt machen wir engagierten kirchlichen Gruppen, Gemeinden und Verbänden ein Angebot, öffentlich FARBE ZU BEKENNEN.

Das Projekt ist ein Experiment. Ein gewagtes zwar - aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Bei diesem Projekt können alle Beteiligten gewinnen:

1. Die Gemeinden, Gruppen, Verbände, die am Projekt teilnehmen: sie werden eingeladen, sich anhand eines Arbeitsheftes zunächst mit ihrem eigenen und dem kirchlich vermittelten Verständnis von Sexualität auseinanderzusetzen. Auf diese Weise tut und lernt jede/r zunächst etwas für sich selbst. Außerdem sind wir der Meinung, daß wir in der Kirche nicht über Homosexuelle und Homosexualität reden und urteilen können, bevor wir nicht über Sexualität im allgemeinen geredet haben. Das ist die Grundidee, die diesem Projekt zugrunde liegt. Erst in einem zweiten Schritt werden die TeilnehmerInnen dazu aufgefordert, sich dem Thema Homosexualität zu stellen.

2. Die lesbischen und schwulen ChristInnen: Am Ende des Meinungsbildungsprozesses steht eine Entscheidung über die Unterzeichnung einer Solidaritätserklärung für Lesben und Schwule. Wie die Entscheidung der TeilnehmerInnen im Einzelfall auch ausfällt, der Prozeß der Auseinandersetzung über die kirchlichen Tabuthemen Sexualität und Homosexualität ist als Weg zu gemeindlicher Bewußtseinsbildung für sich genommen schon ein Gewinn.

Das Projekt steht und fällt mit dem Engagement der beteiligten Gemeinden, Gruppen und Verbände. Diskussions- und Entscheidungsprozesse dieser Art benötigen Zeit. Wir erwarten daher auch keinen schnellen Erfolg des Projektes. Nach einigen Jahren erst wird allmählich ein Netzwerk von Gemeinden, Gruppen, Verbänden entstehen, in denen Lesben und Schwule als gleichberechtigte Mitglieder willkommen sind, ein Netzwerk, das dann von den Landeskirchen und Diözesen nicht mehr übersehen werden kann.

Wir werden das Projekt zunächst vor allem solchen Gemeinden anbieten, in denen bereits eine gesprächsbereite, experimentierfreudige und offene Haltung gegenüber Homosexuellen besteht. Es wird aber vor allem auch in solchen Landeskirchen verbreitet werden, in denen kirchliche MitarbeiterInnen konkret von Diskriminierungen und Entlassungen bedroht sind. In der Hannoverschen Landeskirche z.B., in der nach fünf Jahren Wartestand des schwulen Pfarrers Hans-Jürgen Meyer 1995 eine endgültige Entscheidung über dessen weiteren Verbleib im Pfarrdienst ansteht, wollen wir mit unserem Projekt zur Bewußtseinsbildung und zur Bildung gemeindlicher Solidarität mit Lesben und Schwulen beitragen.

FARBE ZU BEKENNEN, ist gewiß nicht einfach, aber es bietet der Kirche und ihren Gemeinden die Chance, dabei letztlich FARBE ZU GEWINNEN.

 

Köln, den 16. Mai 1991