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HuK-Archiv: Texte des Monats

[Letzte Aktualisierung: 02.04.2002 ]

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Archiv: TdM

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Aus dem HuK-Archiv: Text des Monats Januar 2000

Entgegen der bisher üblichen Praxis wird diesen Monat kein Text aus der neueren Homosexuellen-Geschichte vorgestellt, sondern einer, der einen runden Geburtstag feiern könnte: der folgende Text stammt aus dem Jahr 1900. Damals steckte 'die Homosexuellen-Frage', so der früher übliche Terminus, noch in den Kinderschuhen. Gleichwohl gab es eine große Bandbreite wissenschaftlicher Untersuchungen zu diesem Themenkreis, die u. a. seit 1899 im 'Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen', herausgegeben im Namen des wissenschaftlich-humanitären Comitées von Magnus Hirschfeld, veröffentlicht wurden. Autoren der Biologie, Medizin, Juristerei, der Geschichts- und Literaturwissenschaft, Psychologie und weiterer Wissenschaften diskutierten die vielfältigsten Bereiche homosexuellen Lebens, wobei ein Großteil der Aufsätze und Berichte anonym oder unter Pseudonym herausgebracht wurden.

So auch folgender Text eines Theologen, der sich mit kurzen Betrachtungen über die Lebens- und Liebesweise zweier großer religiöser Figuren an die Leserschaft wendet.

(Anonym, aus: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, II. Jahrgang (1900), S. 288 ff. Zitiert nach: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, eine Auswahl aus den Jahrgängen 1899 - 1923, neu editiert von Wolfgang Schmidt, München 1983, Band I, S. 159 - 165)

 

David und der heilige Augustin, zwei Bisexuelle.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass auch David, der "Streiter Gottes", der Hagiograph und Prophet, der Bibelheros, ein Liebhaber seines eigenen Geschlechtes war. Desgleichen Jonathas, sein Freund. Das Verhältnis zwischen beiden weist mit aller Deutlichkeit auf ihre homosexuelle Ader. "Als David den Philister erschlagen hatte und zurück kam, da nahm ihn Abner und brachte ihn vor Saul, da er das Haupt des Philisters in seiner Hand hielt. Und Saul sprach zu ihm: Von welchem Geschlecht bis Du, o Jüngling? Und David sagte: Ich bin der Sohn Deines Knechtes Isai, des Bethlehemiters. Und es geschah, als er mit Saul zu reden aufgehört, da verband sich die Seele Jonathas mit der Seele Davids und es liebte ihn Jonathas wie sich selbst. - Und David und Jonathas' schlossen einen Bund, denn er liebte ihn wie sich selbst. Und Jonathas zog seinen Rock aus und gab ihn dem David, und auch seine übrigen Kleider, sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel." (l. Buch der Könige, 17, 57 und 58. - 18, 1, 3 und 4.) Ist das die Art, wie Freundschaften entstehen? Nein, mit solcher Schnelligkeit zündet nur der Strahl sexueller Liebe!

Sehr beachtenswert ist sodann Buch der Könige, 20, 27-41. - Der erzürnte Saul spricht zu Jonathas, seinem Sohn: "Du Sohn eines mannsüchtigen Weibes! Weiss ich nicht, dass Du den Sohn Isais liebst, Dir selbst und Deiner schamlosen Mutter zur Schande!' (30.) Das ist eine ganz klassische Stelle. Was soll das anders heissen als: "Weiss ich nicht, dass Du, von einer männertollen Mutter geboren, selbst Männer liebst, dass Du mit David in einem schändlichen' Verhältnis stehst?" - "Und sie küssten einander und weinten zusammen." (41.) David, an dem kein Funke von Sentimentalität wahrzunehmen ist, der kriegslustige, oft zur Härte geneigte Jüngling, wie hätte er küssen können, wo er nicht in Liebe entbrannt war!

Und endlich: Als Jonathas in der Schlacht gefallen war, spricht David: "Wie sind doch die Helden gefallen im Streit! Jonathas ist erschlagen auf deinen Höhen, o lsrael! Leid ist mir um dich, mein Bruder Jonathas! Ueberaus schön warst Du und lieblicher als Frauenminne! Wie eine Mutter liebt ihren einzigen Sohn, also habe ich dich geliebt." (II. Buch d. Kön. 1. 25. 26.) - Da ist ein Zweifel wohl ausgeschlossen. -

"Als ich", schreibt der heilige Augustin in seinen autobiographischen 'Bekenntnissen', "in meiner Vaterstadt Unterricht zu erteilen begann, hatte die Uebereinstimmung der Neigungen mich durch innige Freundschaft mit einem jungen Mann verbunden, der in meinem Alter und wie ich in der Blüte der Jahre stand. Er war mit mir aufgewachsen. Wir hatten dieselben Schulen besucht, dieselben Spiele geteilt. Damals aber war er mir noch keineswegs in diesem Sinne Freund gewesen, obgleich es auch nicht einmal zu jener Zeit die rechte Freundschaft war. (,Sed nondum sic erat amicus, quamquam ne tunc quidem sicuti est vera amicitia.")

Denn eine solche ist nur diejenige, welche du selbst - o Gott - zwischen den Seelen befestigest, durch das Band der Liebe, die in unseren Herzen ausgegossen ist vom heiligen Geist, der uns gegeben worden'. Allein sie war überaus wonnig, unsere Freundschaft, geschlossen durch die Glut der gleichen Neigungen . . . ."

"Meine Seele konnte ohne ihn nicht mehr leben. Aber, o mein Gott, du Gott der Rache und Quelle aller Erbarmungen zugleich, du, dessen Arm ausgestreckt ist über deinen flüchtigen Sklaven, und der du sie auf wunderbaren Wegen zu dir zurückführst, siehe, plötzlich nahmst du mir diesen Menschen aus der Welt, nachdem ich seine Freundschaft kaum ein Jahr genossen gehabt hatte, sie, die mir süss war über alle Süssigkeiten meines damaligen Lebens. Was thatest du damals, o Gott! Wie undurchdringlich ist der Abgrund deiner Gerichte! Dieser junge Mann ward von einem hitzigen Fieber ergriffen und lag lange ohne Bewusstsein im Todesschweiss ... . Er starb in meiner Abwesenheit."