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So ist es mir gegangen |
[Letzte Aktualisierung: 14.10.2005 ] |
Der folgende Bericht einer lesbischen Frau ist im Stil der Erzählung ähnlich wie die Berichte aus dem Arbeitsheft "Farbe bekennen" der HuK. Er stammt aber nicht aus dem angegebenen Arbeitheft, sondern ist neueren Datums. Er wurde uns von einer interessierten Besucherin unserer Webseiten zugeschickt.
Hallo! Ich will Euch ein wenig erzählen, wie es bei mir zur Thematik Homosexualität und Kirche kam. Und da halte ich schon inne, denn eher müsste es heissen: Homosexualität und mein Glaube an Gott... da ich diesen aber nicht allein lebe, andere auf mich wirken, ich ihn mit anderen gemeinsam lebe, entsteht wieder "Kirche".
Gott ist aus meinem Leben nicht herauszudenken. Ich weiß mich von IHM erschaffen, weiß, dass ER ich so gewollt hat, wie ich bin in allen Fasern meines Daseins.
Ich wurde in einer Grosstadt geboren, bürgerliche Verhältnisse, besuchte ein katholisches Mädchengymnasium, sehr gutes Abitur. Ich wollte dann ganz für Christus leben,also trat ich einer Ordensgemeineschaft bei. Nach 12 Monaten verließ ich das Kloster wieder, weil mein Bedürfnis nach Freiheit und Ungebundenheit mich dazu trieb. Hier im Kloster hatte ich auch schon Frauenbeziehungen, die allerdings sehr allgemein bleiben mussten.
Es folgte ein Studium der Theologie und Sozialarbeit in einer katholisch-geprägten Kleinstadt. Hier entwickelten sich innerhalb der "Szene" viele persönliche tragfähige Beziehungen, allerdings mehr mit meinen schwulen Brüdern. Ich lebte offen einige Frauenbeziehung. Innerhalb der Ungebundenheit des Studiums ist das ja auch relativ einfach. Gleichzeitig war ich oft in Kirchen, um zu beten . Der Amtskirche gegenüber bin ich sehr kritisch eingestellt. Allerdings erlebe ich Stille und Gebet als einen inneren Halt in meinem Leben, wenn auch äusserlich recht viel Einsamkeit stellenweise zu ertragen war. Ich merkte auch, dass auch die "Homoszene" sich zu sehr auf Äusserlichkeiten fixiert, und dass da oft eine grosse innere Leere da ist.
Der Bischof dieser Kleinstadt weigerte sich im Übrigen Priesteramtskandidaten zu weihen, wenn bekannt wurde, dass sie eine homosexuelle Veranlagung hatten !!!
Innerhalb meiner Familie wurde meine Veranlagung teilweise abgelehnt, teilweise (mehr oder weniger) toleriert.
Man durchlebt ja sein "coming out" durch Jahre hindurch mit unterschiedlichen Phasen der &Öuml;ffnung, des Rückzugs, der Stärke , wie der Infragestellung.
Ich habe mich immer innerlich bejaht, hatte nie das Gefühl, dass ich jetzt mit einem Mann eine Beziehung eingehen müsste, dafür waren die Beziehungen zu Frauen immer zu stimmig.
Innerhalb meiner Tätigkeit als Sozialarbeiterin im Bildungsbereich erlebte ich meine Veranlagung innerhalb einer Heteroumgebung dann als innere Isolation - das Gebet wurde wieder Halt und Refugium.
Ich habe mich, zurückzugehen auf meinen Studienort immer sehr gefreut, Pfarrern zu begegnen und SeelsorgerINNEN, die dieselbe Veranlagung hatten. Andere sollte man auch nicht an die Seele lassen.
Mein Thema ist natürlich besonders diese Homosexualität in Frauenklöstern. Einiges wir gelebt, wenn auch sehr verdeckt (und wenn es diese berühmten platonischen Beziehungen sind), in der Noviziatsausbiludng wird zu indirekt darüber geredet, zwischen den Zeilen angedeutet, ... Heute kenne ich einige ehemalige Mitschwestern (die ich jetzt seit gut 20 Jahren kenne) von denen ich mir gefühlsmäßig sicher bin, dass sie starke homosexuelle Anteile haben. Spricht man das direkt an, kann es schonmal passieren, dass die Betroffene jählings den Kontakt zu einem abbricht und einen nicht mehr ansieht, nicht mehr grüsst und vor einem wegrennt - so ist es mir letztens gegangen. Es ist Sünde der katholischen Kirche, dass sie ihre Lehrmeinung zur Homosexualität nicht überdenkt, weil dadurch durch die Seelsorge vielen Betroffenen miese Gefühle gemacht werden !!!! Kommt dann heraus, dass Nonnen, die diese Tendenzen in sich haben, entweder ihre Gefühle abschneiden, oder sich ins Spirituelle flüchten oder in die Arbeit , ins Abstrakte undundund. Aber Glauben kann nur aufgrund einer ganzheitlichen Bejahung meines Denkens und Fühlens geschehen, so entsteht hier eine "Verkrüppelung". Das als persönliche Wahrnehmung ...
Meine wirklichen FreundInnen, die mir heute innerlich nahe sind, wissen , wie ich "drauf" bin. Ich habe mit meinem outing durchweg klärende Erfahrungen gemacht. Seitens der Kirchengemeinde kommt es zu Gefühlsunsicherheiten, teilweise anfänglich zu Mobbingerfahrungen. Aber man muss durchhalten. Kirchenangehörige (alle) müssen sich in Gefühlsdingen weiterentwickeln, das ist ein Postulat an alle. Schließen will ich mit dem Wort von Wüstenvater Nilius: "Denn wenn du dich selbst erkannt hast, dann wirst du auch Gott erkennen...." und dem Wunsch, das Andere im anderen stets zu bejahen, denn Gott ist Liebe...