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  Partnerschaftssegnung  

[Letzte Aktualisierung: 30.04.2002]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Homosexuelle Partnerschaften segnen?

Redaktionsdebatte, Bremer Kirchenzeitung 10/2001

Vorwort HuK:

Der folgenden Text ist der ”Redaktionsdebatte” der Bremer Kirchenzeitung (bkz) entnommen. Dr. Ben Khumalo-Seegelken, der darin zu Wort kommt, ist in der HuK gut bekannt: Er war in den Jahren 1999-2000 Mitglied des HuK-Bundesvorstands und ist derzeit Sprecher des HuK-Arbeitskreises Evangelische Kirchenpolitik.

Vorwort Bremer Kirchenzeitung:

Die rechtliche Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Partnerschaften eintragen zu lassen, hat in den Kirchen erneut Diskussionen um Homosexualität entfacht. Eine zustimmende Äußerung des Schriftführers der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz, provozierte eine ablehnende Antwort von Pastor Matthias Jander aus der St. Markus-Gemeinde. Die bkz hat ihn und seinen Kollegen Dr. Ben Khumalo-Seegelken aus Huntlosen, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, um Stellungnahmen gebeten. Die Frage lautete "Sind nicht auch gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität unter Erwachsenen von Gott gegeben und sollte die Kirche sie nicht segnen dürfen wie anderes auch?

Stellungnahme von Pastor Dr. Ben Khumalo-Seegelken

Khumalo-Seegelken: Jede Liebe ist von Gott gegeben. Gott fügt und führt Menschen zusammen, dass sie sich finden, dass sie sich lieben, dass sie füreinander einstehen. Das schließt Menschen gleichen Geschlechts und Menschen verschiedenen Geschlechts mit ein.

bkz: Wo steht denn was in der Bibel, wonach gleichgeschlechtliche Beziehungen gesegnet werden können? Welche Stellen könnte man dagegen anführen?

Khumalo-Seegelken: Wenn man schon die Bibel aufschlägt, ist es wichtig zu wissen, dass sie zwar Richtschnur, wohl aber kein Rezeptbuch ist. Nicht eine bestimmte Bibelstelle, sondern das Gesamtzeugnis soll in den Blich geraten, wenn wir danach fragen, wie Gott sich zur Lebensführung von Menschen verhält. Es gibt Stellen in der Bibel, die immer wieder aufgezählt und Menschen um die Ohren geschlagen werden, die gleichgeschlechtlich geprägt sind, um zu versuchen zu begründen, weshalb diese Mitmenschen abgelehnt werden sollten. In allen diesen Bibelstellen aber geht es nicht um zwei Erwachsene, die sich lieben, freiwillig eine Bindung eingehen, Zärtlichkeiten austauschen und füreinander einstehen. Es geht also nicht um "homosexuelle Liebe". Von weiblicher Homosexualität schweigen die oft zitierten Stellen allesamt. Auch bei Jesus von Nazareth sucht man vergebens nach seiner Stellungnahme dazu.

Wir blenden also vieles aus und gehen missbräuchlich mit dem Glaubenszeugnis der Bibel um, wenn wir unsere Meinung hineinlesen und die Bibel als Waffe gegen Menschen einsetzen.

Die Schilderungen in der Bibel berichten von Erfahrungen von Menschen, die das Schöne, das Schwere und das Unverständliche im Leben Gott zuschreiben. Und Gott ist uns näher gekommen in dem Leben und dem Zeugnis Jesu von Nazareth. Und da ist ein großes Gebot, das Jesus uns hinterlässt – wenn wir nach den Geboten Gottes leben wollen, dann können wir an dieser einen Stelle die Bündelung von alledem, was Gott uns auf den Lebensweg gegeben hat, erkennen. Jesus von Nazareth sagt: "Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jüngerinnen – meine Jünger – seid, wenn ihr Liebe untereinander habt: Liebet einander!"

Von daher gesehen werden wir bei vielen Fragen, auf die wir keine direkte Antwort finden, uns leiten lassen von diesem höchsten Gebot der Liebe, das Jesus uns aufträgt.

Wenn dann Menschen, die Verantwortung in der Kirche übernommen haben, meinen, den Segen Gottes bestimmten Menschen verweigern zu sollen, dann ist das nur lächerlich. "... der im Himmel wohnt, lacht ihrer!": Gott war ja schon lange am Werk bei Menschen, die sich eines Tages gefunden haben als füreinander bestimmt, und die dann auch die Bereitschaft aufgebracht haben, miteinander durch Dich und Dünn zu gehen; Gott schenkt ihnen was sie zum Leben brauchen und noch mehr. Er segnet sie. Ja, er ist schon lange am Werk gewesen und segnet sie. Das, was wir Menschen mit unseren Gottesdiensten und Segenshandlungen tun, ist nur ein Versuch, das begreiflich zu machen und nachzuvollziehen, was schon lange bei Gott gilt. Es ist absurd, in der evangelischen Kirche überhaupt darüber nachzudenken, ob Liebenden der Segen nun gegeben oder verweigert werden solle. Ein solcher "kirchlicher Segen", mit dem einige meinen gar geizig umgehen zu müssen, (der) kann mir in der Tat gestohlen bleiben!

bkz: Die Gegner einer Segnung verweigern Menschen mit gleichgeschlechtlichem Leben nicht Liebe und Zuwendung, aber segnen wollen sie einen solchen Bund nicht.

Khumalo-Seegelken: Etwas stimmt da nicht, wenn einerseits beteuert wird, `wir lieben euch´, andererseits bekundet wird, `gute Wünsche und Mitfreude vor Gott bekommt ihr von uns aber niemals!´ Solche `Liebe´ wäre nichts anderes als das Gegenteil von der bedingungslosen Liebe, zu der Gott uns Menschen einlädt; solche `Zuwendung´ wäre Ausdruck unverhohlener Arroganz derer, die schwule Männer und lesbische Frauen für `krank´ erklären und `gesundbeten´ wollen. Mit Nachdruck soll jede Lesbe und jeder Schwule, der sich als bewusst-gewolltes Geschöpf Gottes bejaht, solche Bekundungen zurückweisen.

Nach reformatorischem Bibelverständnis ist es ohnehin abwegig, so zu tun, als könne und würde die Kirche durch gesprochene Formeln und gewisse Zeremonien irgend etwas zwischen Liebenden bewirken, was Gott nicht schon ohne menschliches Zutun in Gang gebracht hätte. Feuerwehrspritzen und – ich weiß nicht was alles noch – werden landauf landab nicht selten auch von evangelischen Theologinnen und Theologen ohne Zögern noch annähernd vergleichbare Skrupel `gesegnet´!

In einem `Dankgottesdienst für ein schwules oder lesbisches Paar´ können Angehörige, Freundinnen/Freunde, Nachbarinnen/Nachbarn mit dem Paar Gott für seine Fügung und Führung danken und miteinander auf Gottes gute Überraschungen gespannt sein. Ich denke: Der Wunsch eines Paares nach einer sogenannten "Partnerschaftssegnung", der leider recht oft missverständlich artikuliert wird, könnte in unserer evangelischen Kirche mit Kreativität und Fantasie in einen segensreichen Gottesdienst umgesetzt werden, wenn die Liebe untereinander, zu der Jesus von Nazareth ermutigt, auch diejenigen leiten würde, die in unseren Kirchen über Gottesdienste und Gemeindeleben zu entscheiden haben. Liebe, Zuwendung und Segen gehören unauflöslich zusammen.