Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.
Kontroverse um schwule Priester:
Was meint die HuK dazu?
Anlass und Hintergrund
Unter der Überschrift «Das Schweigen brechen» veröffentlichte die
Süddeutsche Zeitung (SZ) im November 1996 einen Artikel von Hanspeter Heinz,
katholischer Priester und Professor für Pastoraltheologie an der Universität
Augsburg. Der Autor beschreibt dabei die Diskussion um homosexuelle Priester, zu der er
selbst durch einen ausführlichen Aufsatz «Homosexualität und geistliche Berufe» in der katholischen Fachzeitschrift "Stimmen der Zeit"
(Bd. 241, Nr. 10, 1996, S. 681-693) wesentlich beigetragen hatte.
Die Veröffentlichung in der SZ führte bald zu weiteren Diskussionen innerhalb
und außerhalb der römisch-katholischen Kirche. Die ökumenische Arbeitsgruppe
Homosexuelle und Kirche (HuK) hat Ende 1996 dazu in einer Presserklärung des
Bundesvorstands Stellung genommen.
Presseerklärung der HuK
Die Ökumenische Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche"
nimmt die ausführliche Veröffentlichung in der
"Süddeutschen Zeitung" Nr. 271 vom 23./24.11.1996, Seite 10,
zum Thema schwule Priester zum Anlass, auf folgende Dinge hinzuweisen:
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Die Frage schwuler (und lesbischer) AmtsträgerInnen betrifft beide große Kirchen.
Auch die evangelischen Landeskirchen tun sich damit schwer. Letztlich steht dahinter immer
noch der Gedanke einer kultischen Unreinheit durch Sexualität.
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Die römisch-katholische Kirche tut sich noch viel schwerer
mit ihren schwulen Priestern und Ordensleuten,
da sie jede Sexualität außerhalb der Ehe ablehnt
und dadurch der Verdrängung Vorschub leistet.
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Da der Priester ehelos in der Zölibatsverpflichtung leben soll,
wird diesem etwas aufgebürdet, was er oft nicht leisten kann.
So kann es auch zu sexuellen Ersatzhandlungen kommen,
zu Verdrängungen und Kompensierungen.
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Auch die Frage des sexuellen Mißbrauchs durch Amtsträger
sollte einmal diesbezüglich bedacht werden.
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Der Reiz des Priesterberufs für Homosexuelle liegt in verschiedenen Punkten: Reine
Männergesellschaft des Klerus, keine Probleme mit der Ehelosigkeit, sensible
Persönlichkeit, Liturgie und Ritus wie überhaupt die sehr sinnenhaften Handlungen.
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Der kirchengeschichtliche Hintergrund der ganzen Problematik
(von der Einführung des Pflichtzölibats
beim 2. Laterankonzil 1139 bis zu den Sittlichkeitsprozessen
während der Nazi-Zeit) muss mitbedacht werden.
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Die von Prof. Heinz angegebenen 20 % schwuler Priester ist eine durchaus realistische Zahl.
Sie dürfte noch zu niedrig sein. In den USA geht man inzwischen von viel höheren
Zahlen aus. Seit Jahren werden Zahlen von 20 % bis 50 % genannt. Es gibt keine Statistik.
Und Rom schweigt dazu.
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Die Deutsche Bischofskonferenz täte der Kirche keinen guten Dienst, wenn sie Prof. Heinz
wegen seiner offenen Äußerungen maßregeln würde. Sie sollte endlich den
offenen Dialog wagen, statt sich hinter moralischen Regeln zu verschanzen, die keineswegs von
der Liebe Christi geprägt sind. Sind sie doch die Seelsorger ihrer Priester.
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Es muß endlich Offenheit in die Kirchen einziehen und Wahrhaftigkeit. Die Kirchen
leiden an ihrer Doppelmoral und Unglaubwürdigkeit. Hier braucht man keine
Public-Relation-Agentur, sondern Verkündigung und Tun müssen
übereinstimmen.
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Mit den Worten des Johannesevangeliums: «Die Wahrheit wird euch frei machen.»
Alles andere ist ein Herumkurieren am kranken Leib Kirche.
Schwule Priestergruppen
In einer Reihe von Diözesen haben sich Gruppen von schwulen Priestern und Ordensleuten
gebildet. Sie sind organisatorisch nicht Teil der HuK, wenn sie natürlich auch in der
Thematik und den Zielen vieles mit der HuK gemeinsam haben. Die HuK respektiert
selbstverständlich die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppen, die auch der Grund
für eigene Treffen, unabhängig von den HuK-Treffen, sind.
Kontaktmann zu den Gruppen und Sprecher der schwulen Priestergruppen ist
Dr. Titus Neufeld
Hörstkamport 2
49196 Bad Laer
Tel. (05424) 9455
Auf den Web-Seiten der HuK gibt es eine
Selbstdarstellung
der schwulen Priestergruppen in Deutschland.
Literatur zum Thema
Unsere Literaturliste enthält unter anderem auch
einen Abschitt mit Büchern zum Thema.