Papst Franziskus und sein neuer GlaubensprĂ€fekt Fernandez haben einen mutigen Schritt gemacht: Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sind nicht mehr verboten. Damit holen sie durchaus erfolgreich den jahrzehntelangen RĂŒckstand in Theologie und Seelsorge auf. Man will das klassische VerstĂ€ndnis von Segnungen erweitern und von der moraltheologischen Frage der SĂŒndhaftigkeit (homo-)sexueller Handlungen abkoppeln.

Leider klebt die vatikanische ErklĂ€rung an der bisherigen Lehre ĂŒber die Ehe. Liebevolle Beziehungen außerhalb der lebenslangen Ehe zwischen Mann und Frau sind ihr fremd. Das Lehramt spricht weiterhin von irregulĂ€ren Situationen, will aber Menschen, die so leben, kĂŒnftig segnen. Dabei soll es ein „Segen light“ sein, der eher im allgemeinen zugesprochen werden kann, Ă€hnlich einem Wallfahrts- oder Krankensegen. Die ErklĂ€rung aus Rom scheint zu sagen: Wenn ein Priester zufĂ€llig ein homosexuelles Paar auf der Straße trifft, dann kann er ihnen einen Segen erteilen.

Auf keinen Fall soll eine Diözese oder Bischofskonferenz offiziell einen besonderen Segensritus einfĂŒhren, denn man befĂŒrchtet noch immer Skandal und Verwirrung der GlĂ€ubigen. Rom will, dass es keine Verwechslung mit dem Ehesakrament gibt, dass eine Segensfeier niemals in Verbindung mit einer standesamtlichen Trauung erfolgen darf. Sogar die Kleidung, die die Paare tragen, soll nicht eheĂ€hnlich sein. Mehr Ängstlichkeit geht nicht.

Der römische Ansatz bleibt auf enttĂ€uschende Weise gegenĂŒber den BeschlĂŒssen des Synodalen Wegs in Deutschland sowie fundierten und bereits erprobten Handreichungen zurĂŒck. Weltkirchlich bedeutet die Überwindung des 2021 formulierten „Nein“ zu Segensfeiern einen Schritt nach vorne, doch damit ist die rein pastorale Strategie von Papst Franziskus an ihrem Ende. In Zukunft muss die Kirche ihre Lehre auf den PrĂŒfstand stellen – ob die Kurie es will oder nicht.

Kurz vor Weihnachten wollte der Vatikan ein „Geschenk an das glĂ€ubige Volk Gottes“ machen. Es ist ein Geschenk, mit dem sich viele, die in Theologie und Seelsorge queere Menschen begleiten, gestĂ€rkt und ermutigt fĂŒhlen dĂŒrfen. Der Text trĂ€gt interessanterweise den Titel „Fiducia supplicans“ (Flehendes Vertrauen). Als queere Menschen flehen wir nicht, wie der Titel des Dokuments suggeriert, um Segen. Unser Vertrauen in die Kirche ist mehr als brĂŒchig. Solange wir uns weiter nach dem Ende der Verurteilungen im Katholischen Katechismus sehnen, können wir uns an diesem Weihnachtsgeschenk nicht erfreuen.

Das Katholische LSBT+ Komitee

ist ein kirchenpolitisches ArbeitsbĂŒndnis von Katholik*innen aus verschiedenen christlichen LSBT+ Gruppen und setzt sich fĂŒr die Gleichberechtigung von LSBT+ Personen in der römisch-katholischen Kirche ein. Zu den Mitgliedsgruppen zĂ€hlen Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V., Netzwerk katholischer Lesben e.V. (NkaL), AG Schwule Theologie e.V., Katholische Schwule Priestergruppen Deutschlands (KSPD), KjGay der KjG (Katholische junge Gemeinde), LesBiSchwule Gottesdienstgemeinschaften (LSGG), Initiative Homo Cusanus. Das Katholische LSBT+ Komitee ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen Deutschlands (AGKOD).

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Veronika GrÀwe
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Markus Gutfleisch
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