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  Nachruf für Klaus Brinker  

[Letzte Aktualisierung: 12.09.2003 ]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Nachruf zum Tod von Klaus Brinker

Das Schicksal von Pfarrer Klaus Brinker ist eng mit der Frühgeschichte der HuK verknüpft, sowohl in Hannover als auch auf Bundesebene: Er war vor allem bekannt geworden, als die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers ihn 1980 wegen seiner Homosexualität aus dem Pfarramt entließ. Am 31.8.2003 ist Pfarrer Klaus Brinker in Hannover gestorben. Im Trauergottesdienst am 4.9.2003 in der Marktkirche in Hannover hielt die jetzige Landesbischöfin Margot Käßmann die Traueransprache. Außer ihr sprachen Vertreter der Ökumenischen Gemeinschaft Homosexuelle und Kirche HuK Hannover, der AIDS-Hilfe Hannover, der Gruppe Offene Kirche, des Bundesverbands der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH). Im Namen der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. sprach Udo Kelch, Gründungsmitglied der HuK, den folgenden Nachruf.

Weitere Texte aus Anlass des Todes von Klaus Brinker finden sich auf den Webseiten der HuK Hannover e.V.

Bild Klaus Brinker

Nachruf bei der Trauerfeier am 4. September 2003

Ich spreche zu ihnen im Auftrag des Vorstandes der Bundes-HuK. Ich heiße Udo Kelch und bin emeritierter evangelischer Pfarrer in Berlin und Mitbegründer der HuK, der auch Klaus Brinker von Anfang an angehörte.

Meine Erinnerung geht zurück in das Jahr 1979. Klaus hatte sich auf eine Pfarrstelle beworben. Aus der Gemeinde kam die Frage, ob er praktizierender Homosexueller sei. Klaus hat wahrheitsgemäß mit Ja geantwortet. Daraufhin teilte ihm das Landeskirchenamt am 28. Mai 1979 mit, dass seine Berufung auf diese Pfarrstelle gescheitert sei. Das Schreiben endete: „Wir erwarten, dass sie von sich aus nichts unternehmen, was eine sachliche Erörterung der aufgebrochenen Fragen behindern könnte.“ Das kam einem Redeverbot gleich. Klaus hielt sich zuerst daran. Schließlich ging es um eine entscheidende Frage seiner Zukunft und seines Lebensentwurfs.

Dafür erhob die HuK, die zwei Jahre zuvor auf dem Kirchentag in Berlin gegründet worden war, ihre Stimme und verfasste für den wenig später stattfindenden Kirchentag in Nürnberg eine Resolution, die mit dem Satz endete „Wir fordern, dass Pastor Brinker in gleichberechtigter Weise wieder die Möglichkeit gegeben wird, in einer Gemeinde als Pfarrer zu wirken.“

3000 Unterschriften waren nötig, damit der Text eine offizielle Erklärung des Kirchentag würde. 4709 Unterschriften kamen ein. Wir konnten es nicht fassen. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte war ein Fall im Blick auf die Einstellung der Kirche zur Homosexualität geschaffen worden, hinter den es kein Zurück mehr geben konnte. Der „Fall“ Brinker kennzeichnet den Beginn einer christlichen, ja einer kirchlichen Homosexuellenbewegung. Das sagt ja auch unser Name „Homosexuelle UND Kirche“. Dieses UND war Klaus Brinker besonders wichtig. Die Forderung dieser Resolution ist bis heute nur zum Teil erfüllt worden.

Wie ging Klaus Brinker mit diesem Ereignis um?

Lassen wir ihn selbst zu Worte kommen. In seinen Gedanken zum Kirchentag 1979 schreibt er: „Provokationen sind nicht geeignet, bei den „Gegnern“ Angst abzubauen und Verständnis zu wecken, sondern geduldige Kleinarbeit lässt ein Gespräch und das nötige Vertrauen möglich werden.“ An diese Prämisse hat sich Klaus in den folgenden schweren Jahren immer gehalten.

Während andere Betroffene resignierten, aus der Kirche austraten oder sich in einer Opfer- oder Märtyrerrolle einigelten., rang er sich, nach vielen inneren Kämpfen zu einem weiteren Engagement in dieser, ihn doch so sehr verletzenden Kirche durch. Beharrlich und intensiv schaffte er Freiräume und Akzeptanz für homosexuelle Menschen in Kirche und Gesellschaft.

Er lebte uns vor, wie man als Schwuler diese Kirche von innen verändert und sie nicht loslässt, sie segnet uns denn.

Als die HuK-Regionalgruppe Hannover einen Sonderweg anstrebte, den auch Klaus bejahte, und zur ökumenischen Gemeinschaft HuK wurde (der Name HuK wird uns weiterhin verbinden), hatten besonders die frühen Weggefährten aus der HuK Schwierigkeiten, diesen Entschluss zu verstehen. Aber alle haben mir versichert, dass Klaus Brinker eine der wichtigsten und verdienstvollsten Persönlichkeiten unserer Geschichte war und bleiben wird. Ihm sind wir alle aus der HuK zu großem Dank verpflichtet.

Seine besondere Liebe galt den Gottesdiensten. So hab ich ihn auch zuletzt erlebt, im Gottesdienst zum 25-jährigen Jubiläum der HuK-Hannover. Ich habe ein Foto von ihm gemacht. (Das Foto - mit dem obigen Foto nicht identisch - wird im nächsten HuK-Info erscheinen.) Er steht mit ihm Nahestehenden zusammen am Altar, sein Gesicht schon gezeichnet von der Krankheit, die er lange verschwiegen hat und die Menschen sehr einsam machen kann. Er breitet seine Arme aus, so wie einer sich öffnet, einlädt und Freunde begrüßt: Ich bin für euch da. Unsere Hoffnung ist, dass er seinen Frieden in den Armen Gottes gefunden hat.