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  Schwule als Kandidaten für das Priesteramt  

[Letzte Aktualisierung: 01.12.2009]

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Aktuelle Themen

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Homosexuelle als Priesteramts-Kandidaten: Entwicklungen im Sommer/Herbst 2005

25./29. November 2005: Der vollständige Text der Weisung des Vatikans ist am 23.11.2005 bekannt geworden, siehe dazu die Dokumentation des Textes und die Stellungnahme (Pressemitteilung) der HuK sowie die spätere gemeinsame Pressemitteiling mit dem LSVD. Für Interessierte lohnt es sich aber vielleicht doch, auch den Gang der Ereignisse und Meldungen bis dahin, der auf dieser Webseite dokumentiert ist, nachzuverfolgen. Am Ende dieser Webseite dokumentieren wir eine ganze Reihe von Texten, Interviews, Meldungen und Kommentaren, die nach dem Bekanntwerden und nach der Veröffentlichung des Textes erschienen sind.

Die Haltung der römisch-katholischen Amtskirche in der Frage "Dürfen Schwule als Priesteramtskandidaten und zur Priesterweihe zugelassen werden?" hat schon früher auf den Webseiten der HuK ihren Niederschlag gefunden, etwa in dem 1999 bekanntgewordenen Text "Homosexualität und geistliche Berufe" einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofkonferenz, zu der es auch Stellungnahmen der HuK und der KSPD (Katholische Schwule Priestergruppen Deutschlands) gibt.
Nachdem im Jahr 2005 sich die Nachrichten über neue Aktivitäten des Vatikan in dieser Frage häufen, werden hier der Stand von Sommer/Herbst 2005 und neuere relevante Dokumente zusammengefasst.

Schreiben der Kongregation für den Gottesdienst, Mai 2002

Schon aus dem Jahr 2002 stammt das folgende Schreiben; es ist von dem früheren Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin und ist offenbar eine Antwort auf eine vorangegangene Anfrage von Seiten der Kongregation für den Klerus (Quelle: www.kath.net).

Vatikanstadt, 16. Mai 2002

Exzellenz!

Die Kongregation für den Klerus hat dieser Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin Ihr Schreiben übermittelt, in dem Sie um eine Klarstellung bitten hinsichtlich der Möglichkeit, Männern mit homosexuellen Neigungen die Priesterweihe zu spenden. In Erwägung der Erfahrungen, welche aus vielen Fällen resultieren, in denen man beantragt hatte, von den aus den Heiligen Weihen erwachsenden Pflichten zu dispensieren und und nach der nötigen Konsultierung der Kongregation für die Glaubenslehre, bringt diese Komngregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ihr Urteil folgendermaßen zum Ausdruck: Von der Weihe zu Diakonen und Priestern von homosexuellen Männern oder Männern mit homosexuellen Neigungen ist absolut abzuraten, da sie der nötigen Umsichtigkeit entbehren und aus seelsorgerlicher Sicht ein Risiok darstellen würde. Eine homosexuelle Person bzw. eine Person mit homosexuellen Neigungen ist daher nicht geeiognet, das Sakrament der Heiligen Weige zu empfangen.

Ich nütze diese Gelegenheit, um Ihnen, Exzellenz, meine herzlichen Grüße zukommen zu lassen.

Ihr im Herrn ergebener Jorge A. Card. Medina Estévez, Präfekt

Es bleibt offen, ob dieses Schreiben (eine vatikanische Kongregation an eine andere) eine offizielle Haltung des Vatikan wiederspiegelt, obwohl einige konservative katholische Medien es so auszulegen scheinen. Als sicher kann nur gelten, dass es Kräfte im Vatikan gibt, die zu dieser Zeit (2002) eine solche Haltung befürworteten.

Meldungen (2005) über eine bevorstehende offizielle Weisung des Papstes.

Im Sommer 2005 meldeten verschiedene Medien, dass eine Weisung von Papst Benedik XVI., die Homosexuelle vom Priesteramt oder von der Priesterweihe ausschließt, unmittelbar bevorstünde; die Veröffentlichung sei nur mit Rücksicht auf den Weltjugendtag noch nicht erfolgt. Die Meldungen haben offensichtlich eine gemeinsame Quelle, die britische Zeitung "The Observer".

Online-Zeitung queer.de, 29.08.2005:

Rom: Der Vatikan wird in den nächsten Tagen ein Dokument veröffentlichen, das schwule Männer aus der Priesterschaft verbannen soll, berichtet die britische Sonntagszeitung "The Observer". Das Dokument der Kongregation für das Katholische Bildungswesen sollte bereits veröffentlicht sein, wurde aber aufgrund des Weltjugendtages verschoben. Es liegt derzeit dem Papst vor, so der Bericht. Neben Kriterien zur Zulassung von neuen Priestern soll es auch darlegen, wie schwule Priester - ob sexuell aktiv oder nicht - aus dem Dienst entfernt werden können. Das Papier soll, so Kirchenkritiker, den Schwulen die Schuld an den Fällen von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester vor allem in den USA geben. (nb)

Online-Zeitung kath.net, 29.8.2005:

Vatikan veröffentlicht Schreiben über Homosexuelle und Priesteramt

In der Instruktion wird erklärt, warum homosexuelle Männer nicht geeignet für das Priesteramt sind.

London (www.kath.net) Der Vatikan soll demnächst eine Instruktion veröffentlichen, in der es um die Zulassung homosexueller Männer zum Priesteramt geht. Das meldete die britische Zeitung "The Observer". Das Dokument wurde von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vorbereitet. Die Kongregation ist unter anderem zuständig für die Priesterseminare.

In dem Schreiben, das derzeit von Papst Benedikt XVI. begutachtet wird, soll erklärt werden, warum Homosexuelle nicht geeignet für das Priesteramt sind. Nach Angaben der Zeitung hätte die Instruktion bereits im August erscheinen sollen; das Erscheinen sei jedoch aufgrund des Weltjugendtags vertagt worden. Aus dem Vatikan ist bislang nichts über das Dokument bekannt.

Bereits im Juli hatte der Vatikanjournalist John Allen von der Existenz des Dokumentes berichtet. Inhaltlich ist von dem Schreiben nichts anderes zu erwarten als die katholische Kirche lehrt. Bereits frühere Schreiben aus dem Vatikan legten klar, dass nicht nur homosexuell Aktive sondern auch homosexuell orientierte Männer nicht zum Priestertum zugelassen werden können.

Im Jahr 2002 veröffentlichte die "Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin" ein Schreiben, in dem es heißt: "Von der Weihe zu Diakonen und Priestern von homosexuellen Männern oder Männern mit homosexuellen Neigungen ist absolut abzuraten, da sie der nötigen Umsichtigkeit entbehren und aus seelsorglicher Sicht ein Risiko darstellen würden. Eine homosexuelle Person bzw. eine Person mit homosexuellen Neigungen ist daher nicht geeignet, das Sakrament der Heiligen Weihe zu empfangen."

Vatikanische Kommissionen zum Aufspüren von Homosexualität in allen 229 Priesterseminare der USA

In den USA waren in den letzten Jahren Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester bekanntgeworden, die das Ansehen der römisch-katholischen Kirche stark belasteten. Vermutlich als Reaktion darauf, und weil man die Homosexualität unter einer Reihe von Priestern als Grund dafür ansah, schickte der Vatikan Kommissionen zur Überprüfung in jedes der 229 Ausbildungsstätten (diözesane und ordenseigene) für Priester in den USA. Die New York Times vom 15.9. berichtet ausführlich darüber.
Der Artikel aus der New York Times ist online nur noch für Abonnenten gegen Bezahlung zugänglich.

Aus dem Artikel in der New York Times

In dem Artikel wird u.a. Erzbischof Edwin O'Brien, zuständig für die römisch-katholischen Militärgeistlichen, mit der Bemerkung zitiert, dass sich die Nicht-Zulassung zum Priesterseminar selbst auf solche Personen beziehe, die zehn Jahrelang oder länger nicht mehr sexuell aktiv gewesen seien.

Selbst Donald B. Cozzens, ein früherer Regens eines Priesterseminars, der vor fünf Jahren eine Kontroverse entfachte, als er in einem Buch die Behauptung aufstellte, das Priesteramt sei dabei, ein schwuler Beruf zu werden, wird nun mit der Bemerkung zitiert "Dies [wenn zölibatär lebende Seminaristen und Professoren zum Rückzug aufgefordert werden] wäre in meiner Sicht ein schwerwiegender Fehler".

Ein schwuler Priester, dessen Name nicht genannt wird, wird am Schluss des Artikels mit der Bemerkung zitiert: "Dies sagt doch zu schwulen Priestern, von denen viele hart [für die Kirche] arbeiten, zu gläubigen Männern, die ihr Zölibatsgelübde ehrlich einhalten: Du hättest nie ordiniert werden sollen".

Aus dem Fragebogen ("Instrumentum Laboris", Arbeitsgrundlage) für die vatikanischen Untersuchungskommissionen

Vermutlich im Zusammenhang mit dem Artikel in der New York Times wurde auch der vollständige Text des 12-seitigen Fragebogens bekannt, er ist auf den Webseiten von Dignity in der Originalversion zugänglich (PDF-Datei, 409 KByte, englisch). Gleichlautend ist der Text auch in der Sammlung "Special Documents" von National Catholic Reporter, einem katholischen Nachrichtn-Service in den USA, zugänglich.

Der Fragebogen enthält zwar insgesamt 54 Fragen; eine Gewichtung bzw. Zielrichtung wird jedoch darin deutlich, dass bei vier Fragen explizit zur Frage hinzugefügt ist "muss beantwortet werden". (Andere Fragen können, wenn die Visitatoren sie als nicht relevant ansehen, unbeantwortet bleiben.)

Unter den weiteren Fragen ist auch eine, ob die Morallehre, die an dem Seminar gelehrt wird, in Einklang stehe mit den vatikanischen Dokumenten. Unter ihnen wird explizit das Schreiben Über die Seelsorge an homosexuellen Personen (Glaubenskongregation, 1986) genannt.

Allen Mitgliedern des Lehrkörpers und allen Studenten wird ein Exemplar des Fragebogens vorab ausgehändigt, und es wird eine schriftliche Beantwortung, mit Unterschrift, erwartet.

Auch wenn die Fragen zur Homosexualität in einen Fragebogen von insgesamt 54 Fragen eingebettet sind, wird doch aus der Berichterstattung konservativer Medien, u.a. Radio Vatikan, die Zielrichtung der Untersuchung deutlich:
Radio Vatikan, 15.9.2005: "Vom Vatikan benannte Visitatoren sollen die 229 katholischen Priesterseminare der USA erneut auf Fälle von Homosexualität untersuchen ...".
Der konservative katholische Online-Nachrichtendienst kreuz.net berichtete schon am 1.9.2005: "Vatikan. Die Kongregation für katholische Erziehung wird ein Dokument über die kirchliche Verfahrensweise mit Seminaristen, die homosexuelle Versuchungen haben, herausgeben. ... CNA [Catholic News Agency] vermutet, daß das Schreiben Mitte September veröffentlicht wird. Es würde damit kurz vor Beginn der Visitation aller US-Seminare erscheinen."

Dignity verurteilt die Seminar-Visitation als "Hexenjagd"

In den USA gibt es im kirchlichen Bereich nicht eine große ökumenische Organisation wie die HuK in Deutschland, sondern jeweils eigene Organisationen innerhalb der einzelnen Konfessionen. Im römisch-katholischen Bereich ist dies Dignity, die 1969 gegründete "große Organisation von schwulen, lesbischen, bisexuellen und transsexuellen Katholiken, von ihren Familien, Freunden und Unterstützern". Dignity hat in einer Pressemitteilung (englischsprachiges Original auf den Dignity-Webseiten) die Visitation scharf verurteilt:

Dignity USA verurteilt in aller Schärfe die neue Vatikanische apostolische Visitation der 229 römisch-katholischen Priesterseminare in den USA, die nach "Anzeichen von Homosexualität" sucht, und nach Lehrenden, die von der Lehre der Kirche abweichen. Ein zwölfseitige Dokument wird derzeit als Teil der Beurteilung [der Seminare] an Lehrende und Lernende verteilt, wie die New York Times vom 15. September 2005 auf ihrer Titelseite berichtet.

"Der Vatikan starrt nach wie vor auf Homosexualität, er ist fehlgeleitet in Bezug auf menschliche Sexualität [allgemein], und er geht in dem Problem des sexuellen Missbrauchs in der Kirche in die falsche Richtung", stellte Debbie Wells, Geschäftsführerin von DignityUSA, fest. "Eine kritische Beurteilung der Programme der Priesterseminare mag in der Aufarbeitung der Krise des sexuellen Missbrauchs angemessen sein - eine offensichtliche Hexenjagd nach homosexuellen Seminaristen und nach Lehrenden, die sie unterstützen, ist es nicht. Die Kirche fördert ein Klima der Feindschaft gegen einige ihrer besten Priester und Bischöfe. Dies ist nicht die Kirche, die zu sein Christus uns aufgerufen hat."

"Während der Vatikan darin versagt, die wahren Kernpunkte der Krise des sexuellen Missbrauchs angemessen zu behandeln, erinnert DignityUSA die Führer der Kirche an mehrere Schlüsselpunkte:

Und in Deutschland? Und wie geht es weiter?

22.9.2005, Anmerkungen des HuK-Webmasters

Wir wollen auf den Webseiten der HuK möglichst vollständig über relevante Entwicklungen in den Kirchen informieren; dies schließt manchmal auch die Wiedergabe von Meldungen ein, die den Charakter von Gerüchten haben ("Eine neue Weisung soll bevorstehen ..."). Wir sind uns dabei im Klaren darüber, dass solche Meldungen manchmal auch gezielt von solchen Kreisen verbreitet werden, die an entsprechenden Schritten interessiert sind, dass also mit solchen Meldungen auch Kirchenpolitk betrieben werden kann. Die letzten konkreten Schritte des Vatikan bezogen sich auf die Priesterseminare in den USA. Für Deutschland gibt es derzeit keine uns bekannten Anzeichen dafür, dass die Verantwortlichen der Deutschen Bischofskonferenz von der Haltung abrücken, die sich im Text "Homosexualität und geistliche Berufe" (Bericht der Kommission von 1999) wiederspiegelt, oder dass sie vom Vatikan zu einer anderen Haltung veranlasst wurden.

Weiterführung 29.9.2005:

Auch was die Entwicklung in den USA und die Gerüchte über eine bevorstehende Weisung aus dem Vatikan betrifft, so bemerkt man in den vielen Online-Nachrichten der letzten Tage (die wir hier nicht alle wiedergeben) eine stärkere Zurückhaltung als Ende August. Im National Catholic Reporter vom 22.9.2005 wird ein Vatikan-Offizieller mit dem Satz zitiert "Natürlich wird es [das Dokument] erscheinen, aber die Frage ist, wann." An anderer Stelle heißt es jedoch "Jetzt, Ende September, ist noch kein Veröffentlichungsdatum genannt worden, und keine offizielle Person im Vatikan ist dazu bereit, namentlich mit einer Aussage über den Inhalt des Dokuments zitiert zu werden".

In dem selben Artikel des "National Catholic Reporter" wird auch ein Dokument von 1961 genannt, das von der damals bestehenden "Sacred Congregation for Religious" (englischer Titel) stammte. Das Dokument war bisher auch bei Fachleuten kaum bekannt; manche meinen nun aber, in ihm sei schon alles gesagt. Sucht man im World Wide Web danach, so fällt auf, dass gerade sehr konservative Gruppierungen es dokumentieren und gern zitieren, dies wird auch in dem Artikel Gefunden: Vatikan-Dokument, das Homosexuelle von der Weihe ausschließt betont. Als wesentlicher Satz wird zitiert:
"Die Zulassung zu religiösen Gelübden und die Ordination sollte denen verweigert werden, die an üblen Tendenzen der Homosexualität oder der Päderastie leiden, denn für sie würden das gemeinsame Leben und das priesterliche Amt ernsthafte Gefahren darstellen."
Dieser Satz wird explizit als Grund genannt, warum man es dokumentiert; es wird also offenbar mit solchen Publikationen auch (Kirchen-)Politk betrieben.
Dies ist übrigens die einzige Stelle, an der in dem Dokument das Wort homosexuell/Homosexualität vorkommt; sonst ist nur von "Sünden gegen die Keuschheit" oder gelegentlich auch von der "solitary sin" (Sünde, die als Einzelperson begangen wird; offenbar ist Masturbation gemeint) die Rede. Dieser Sprachgebrauch zeigt die Sprech- und Denkweise früherer Jahre.

Fundstellen für den ca. 14-seitigen Text mit dem Titel "Sorgfältige Auswahl und Schulung von Kandidaten für den Zustand der Vollkommenheit und die heiligen Gelübde" (Dokument in englischer Sprache, übersetzt aus dem Lateinischen, S.C. Rel., 2. Feb., 1961) sind die Webseiten von The Roman Catholic Faithful, Our Lady's Warriors, und (nicht vollständig) Adoremus - Society for the Renewal of the Sacred Liturgy.

Weiterführung 6.10.2005: Weitere Nachrichten bzw. Kommentare zu dem Thema

Bericht in "Spiegel Online", 23.9.2005: "Wie der Papst Schwule aus US-Kirchen vertreiben lässt". Dort zitiert werden u.a. Erzbischof O'Brien (Auszüge aus einem Interview mit "National Catholic Register"), HuK-Pressesprecher Reinhold Weicker und der katholische Ordenspriester und Pastoralpsychologe Hermann Kügler SJ.
Radio Vatikan, 29.9.2005, zur Visitation der Priesterseminare in den USA: U.a. "Was mit homosexuellen Priesteramtskandidaten geschehen soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen. Allerdings rechnen Beobachter für die kommenden Wochen mit der Veröffentlichung eines päpstlichen Dokumentes, das Homosexuellen den Zugang zum Priesteramt verwehren soll. Vom Vatikan selbst gibt es dafür keinerlei Bestätigung."
Radio Vatikan, 3.10.2005, zu Erzbischof O'Brien, dem Leiter der Visitation: U.a. "Erzbischof Edwin O` Brien ist gegen die Aufnahme von Homosexuellen in Priesterseminare. Das sei allerdings nur seine Privatmeinung, nicht unbedingt auch die des Vatikans, so der Erzbischof ...".
Artikel "Priesterausbildung auf dem Prüfstand" von Andreas R. Batlogg SJ (PDF-Datei, 27 KB), aus "Stimmen der Zeit", Heft 10/2005 (Oktober 2005). U.a. "Kirchliche Erneuerung läßt sich nicht auf Priesterausbildung und diese nicht auf Probleme der Sexualität reduzieren. Das gilt für Amerika ebenso wie für den Rest der Welt."

Weiterführung 7./8./9./17. 10. 2005

Zwei Meldungen vom 7.10.2005, die beide Gerüchte über das gleiche Dokument wiedergeben, und in denen wieder deutlich wird: Je nach kirchenpolitischer Richtung, und nach eigenem Wunsch, wie der Vatikan entscheiden möge, wird anscheinend mit dieser oder mit jener Tendenz berichtet. Mit der Wiedergabe solcher Meldungen / Gerüchte gerade durch kirchenpolitisch einseitig interessierte Medien wird offenbar auch versucht, Kirchenpolitk zu machen.

Meldung von kath.net, 7.10.2005: "Instruktion ... in Kürze veröffentlicht. Die Meldung beruft sich auf einen Bericht, der durch "verbale Indiskretionen" der Mailänder Zeitung Corriere della Sera zugespielt wurde. Es heißt darin u.a. "Darin [in der Weisung] wird festgehalten, dass ein Mann mit homosexueller Neigung nicht geeignet für das Priesteramt ist und deswegen nicht als Weihekandidat zugelassen wird. Eine Ausnahme ..."
Meldung des "National Catholic Reporter (USA), 7.10.2005: Die Überschrift hier ist "Kein [genereller] Ausschluss von Schwulen im Vatikan-Dokument erwartet; es wird 'kluge Beurteilung' empfohlen." Als Quelle wird ein "höherer Offizieller im Vatikan" genannt, der offenbar nicht identisch ist mit der Quelle, die den "Corriere della Sera" informierte. NCR beruft sich auf ein Hintergrundgespräch, das nach der "Corriere"-Meldung stattfand.

Die deutschsprachigen Online-Medien, z.B. Spiegel Online, Tagesschau, T-Online, folgten in ihrer Berichterstattung offenbar den von Corriere della Sera / kath.net verbreiteten Meldungen und nicht der Meldung des National Catholic Reporter. Viel gelesen wurde vermutlich die Bild-Zeitung vom 10.10.2005, die von einem "Geheimpapier" spricht, inhaltlich aber gegenüber den anderen Veröffentlichungen nichts wesentlich Neues bringt.
Englischsprachige Online-Medien wie Reuter (UK), Washington Post, oder www.catholic.org (USA) scheinen dagegen ihre Berichterstattung unter die Überschrift "Schwule können Priester werden, wenn sie zölibatär leben" zu stellen.
Der als liberal geltende Online-Dienst "National Catholic Reporter" (USA) brachte am 14.10.2004 ein Interview mit einem schwulen katholischen Priester (der auf seinen Wunsch hin anonym blieb).

Weiterführung 11./12./13. 11. 2005

Am 3.11.2005 erschien eine Meldung der "Catholic News Agency" (USA): "Das Vatikan-Dokument über Homosexuelle in Priesterseminaren wird morgen veröffentlicht werden". Die Meldung wurde von verschiedenen anderen Medien übernommen, war aber offensichtlich voreilig.

Am 7.11.2005 berichtete die katholische Online-Nachrichtenagentur kreuz.net:
Es gibt viele
"Ich möchte auch die Hysterie kommentieren, die über das Gerücht einer vatikanischen Erklärung zur Homosexualität unter Seminaristen und Priestern entstanden ist. Diese Gerüchte haben eine riesige Menge von Pressemeldungen erzeugt, von denen die meisten ziemlich negativ waren. Es wird wohl eine Erklärung geben, aber nach jüngsten Meldungen, die zuverlässig scheinen, wird sie nuanziert und ausgeglichen sein. Es gibt viele wunderbare und ausgezeichnete Priester in der Kirche, die eine Gay-Ausrichtung besitzen, keusch und zölibatär leben und sehr wirksame Diener des Evangeliums sind. Hexenjagd und Gay-Beschimpfung haben in der Kirche keinen Platz."
Der Bischof von Spokane und Präsident der US-Bischofskonferenz, Mons. William S. Skylstad, in einer Stellungnahme über die jüngste römische Bischofssynode.

Eine Meldung von N24 TV vom 11.11.2005 nennt den 29.11.2005 als Datum der Veröffentlichung. Man wird sehen, ob dieses Datum zutrifft. Inhaltlich heißt es in dieser Meldung u.a.: "Die Kirche kann diejenigen, die Homosexualität praktizieren, tief verwurzelte homosexuelle Tendenzen aufweisen oder die so genannte 'schwule Kultur' unterstützen, nicht zum Priesteramt zulassen", zitierte "Il Giornale" am Freitag aus dem Dokument.
Eine der ausführlichsten Wiedergaben des Berichtes schien in der New York Times vom 12.11.2005 zu stehen; er ist jetzt online nur noch für Abonnenten gegen Bezahlung zugänglich. In ihm hieß es u.a. "Die Zeitung [Il Giornale] hat nicht genau klar gemacht wie restriktiv die neuen Regeln sein würden." ... "Nach der Wiedergabe durch die Zeitung erschien es so, als würde das Dokument es schwerer machen, Priester zu werden, selbst für zölibatäre Männer, wenn sie sich selbst als schwul identifizieren."

Offenbar auf der Basis dieser und anderer Meldungen hat Volker Beck (Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag) den Vatikan scharf kritisiert, so eine Meldung in der "Netzeitung" vom 12.11.2005.

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. wird erst dann zu der Weisung Stellung nehmen, wenn ein authentischer Wortlauf bekannt ist.

Weiterführung 24.-29.11.2005: Der vollständige Text ist da

Am 24.11.2005 veröffentlicht die italienische katholische Nachrichtenagentur Adista einen vollständigen Text der Instruktion, der auch bald in mehrere Sprachen übersetzt wird. Die offizielle Veröffentlichung durch den Vatikan ist zwar nach wie vor für den 29.11.2005 vorgesehen, der Text ist also, streng genommen, noch nicht offiziell. Dass er aber mit dem noch ausstehenden "offiziellen" Text übereinstimmt, wird indirekt durch die Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz (Kardinal Lehmann) und der Schweizer Bischofskonferenz vom 24.11. abends bestätigt, die von diesem Text als gegeben ausgehen. Eine Flut von Medien-Anfragen, auch bei der HuK, ist an diesem und dem folgenden Tag die Folge. Dementsprechend entschließt sich auch die HuK, ihre Pressemitteilung mit einer kritischen Stellungnahme zu der Instruktion ebenfalls noch am 24.11.2005 zu veröffentlichen.

Texte, Kommentare, Interviews, Meldungen nach dem Bekanntwerden des Textes der Vatikan-Weisung

An dieser Stelle hatten wir, zunächst in der Reihenfolge des jweiligem Datums, eine stetig wachsende Reihe von Web-Verweisen (Links) auf Meldungen und Kommentare zum Thema, im Wesentlichen weblog-artig (wie auch diese ganze Webseite eine Art Weblog darstellt). Jetzt (3.12.2005), nach einigen Tagen Abstand, machen wir den Versuch, die verschiedenen Texte und Links etwas thematisch zu gliedern. Verwiesen sei auch auf die Zusammenstellung von Web-Links
   
Die neue Instruktion des Vatikans
auf der Webseite
    Münsteraner Forum Theologie und Kirche ("Das Internet-Portal für Theologie im deutschsprachigen Raum").
Viele der dortigen Links sind auch hier aufgeführt, und umgekehrt.

Offizielle Texte der römisch-katholischen Kirche

Kritische Kommentare von Gruppen

Interviews (Zeitschriften/Zeitungen/Fernsehen), Mitschnitte von Interviews (Radio)

Kommentare von Einzelnen

Pressemeldungen (Eine Auswahl aus der Fülle von Meldungen), z.T. verbunden mit Kommentaren