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Partnerschaftssegnung |
[Letzte Aktualisierung: 30.04.2002] |
Im August 2001 veröffentlichte das "Leitende Geistliche Amt" (LGA) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ein Votum u.a. zur gottesdienstlichen Begleitung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. In den folgenden Monaten, bis zur Synode der EKHN im Dezember 2001, kam es zu lebhaften Diskussionen dazu. Vor der Synode hat das Synodalmitglied Pfarrer Nulf Schade in einem persönlichen Votum Stellung genommen.
Sehr geehrter Herr Präses, hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder.
Auf das, was ich Ihnen jetzt sagen möchte, habe ich mich seit 23
Jahren vorbereitet. Denn seit dem Beginn meines Theologiestudiums
weiß ich: So, wie Gott mich geschaffen hat, halten viele Christen und
Christinnen mich für den Inbegriff einer unheilbar sündigen Existenz.
Ich konnte das nie glauben. Konnte das immer weniger, je mehr
Christen und Christinnen ich
kennen lernte, die auch von Gott so geschaffen waren wie ich. Die
auch nicht fassen konnten, dass sie nur, weil sie lieben wie sie
lieben, ohne dass sie je eine Wahl gehabt hätten, anders zu lieben,
sündhafter sein sollten als andere.
Ich weiß, dass viele von Ihnen glauben, dass Homosexualität nicht
zur Existenz eines Menschen dazugehört. Ich weiß, dass manche
von Ihnen meinen, Homosexualität sei «heilbar». Diesen Weg gibt
es für mich nicht und für viele andere ebenso wenig.
Wer seit so vielen Jahren damit ringt diskriminiert zu werden, weil er
nicht so liebt wie die anderen, der erwartet nichts sehnlicher, als
endlich das erlösende Wort von seiner Kirche zu hören: «Ja, auch
Du bist in Deiner ganzen Existenz von Gott geliebt. Auch Du
darfst beten. Ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin.
Wunderbar sind Deine Werke, das erkennt meine Seele». Ich bin
vielen Menschen begegnet, die an diesem Warten zerbrochen sind:
Sie haben ihren Glauben verloren, oder zumindest das Vertrauen in
ihre Kirche. Viele sind ausgetreten, andere starben ohne ein
erlösendes Wort ihrer christlichen Geschwister.
Hohe Synode. In den letzten Wochen war häufig der Ruf nach mehr Besonnenheit zu hören. Wir bräuchten noch Zeit, um zu reden, abzuwägen, Argumente auszutauschen. Verzeihen Sie, wenn ich darauf erst einmal sage: Für uns, die wir existenziell und seit je her diskriminiert und verachtet werden, hat das Warten schon viel zu lange gedauert. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, was das neue Gleichstellungsgesetz, aber besonders auch das Wort des LGA für die Betroffenen bedeutet: Erlösung! Die Aussicht auf das Ende der Erniedrigung und mangelnden Achtung für homosexuelle Menschen.
Wer selbst nicht homosexuell ist, wer noch nie mit einem Menschen, der so fühlt, ein offenes Wort gesprochen hat, kann das nicht wissen.
Genauso, wie solche Menschen nicht wissen können, wie viele treu
miteinander lebende schwule und lesbische Paare es gibt. Dass
manche von ihnen in dieser Treue von einem geschwisterlichen
Segen behütet werden. Wer nicht die Gelegenheit hat, sich direkt mit
Betroffenen auszutauschen, kann auch nicht wissen, wie viel Segen
von solchen Paaren ausgehen kann – auch für unsere Gemeinden.
Meine Erfahrung ist: In dem Moment, wo wir miteinander reden, in
dem Moment, wo wir uns ehrlich und offen begegnen, haben viele
Bedenken ein Ende. Ich höre aus manchen der kritischen Schreiben
an das LGA, dass viele Gemeinden und Kirchenvorstände von der
Sorge um die Zukunft zu ihrem Protest bewegt wurden. Sie haben
Angst um die Kinder, um die Gemeinden, um das Bild der Familie,
um ihre Kirche, um den Glauben. Diese Sorge nehme ich sehr ernst.
Denn auch mir liegen die Zukunft der Kinder, der Gemeinden, die
Zukunft von Familienbündnissen und Weitergabe unseres Glaubens
am Herzen. Ich weiß in der Tat, dass wir miteinander reden müssen.
So drängend wir Schwule und Lesben uns auch nach dem
erlösenden Wort sehnen: Wir müssen uns noch gedulden. Wir
WERDEN uns noch gedulden. Sowieso wird es niemanden geben,
der zu seinem Einverständnis zu einer Segnung gezwungen wird.
Es gibt genug Menschen, die zu solchen Segnungen bereit sind –
wer Bedenken hat, braucht sie nicht zu vollziehen.
Ich verspreche Ihnen, dass Sie, wann immer Sie mit einem von uns
reden wollen, jemanden finden, die oder der bereit ist für dieses
Gespräch. Reden Sie mit uns und nicht über uns. Das LGA Papier ist
gut, aber nicht sehr gut, darüber werden wir auch noch reden
müssen. Ich wünsche mir, dass die Synode nicht hinter das LGA
Papier zurückgeht. Ich wünsche mir einen Weg auf dem wir
gemeinsam gehen damit wir irgendwann einmal alle einzustimmen
in das Lob jener wunderbaren Schöpfung, zu der wir alle gehören.