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EKD-"Orientierungshilfe" |
[Letzte Aktualisierung: 30.04.2002] |
Im März 1996 veröffentlichte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Homosexualität die Orientierungshilfe «Mit Spannungen leben». Aus Anlaß des Evangelischen Kirchentags 1997 in Leipzig hat die HuK ihre Position mit dem folgenden Text dargestellt, der beim Kirchentag als Flugblatt verteilt wurde. Die Argumentation ist aus diesem Grund notwendigerweise etwas geraffter als es in einer ausführlicheren Stellungnahme möglich wäre.
Die EKD meint: Die Orientierungshilfe diene dazu, die Diskussion über Homosexualität in den "Gliedkirchen" zu versachlichen, und könne die Basis für einen tragfähigen Konsens bilden (so Ratsvorsitzender Engelhardt).
Die HuK meint: "Dieses Papier vertieft die bereits bestehenden Gräben".
Der Hintergrund: Homosexualität - (k)ein Thema ?!
Seit etwa 15 Jahren ist das Thema "Homosexualität" - nicht zuletzt durch die Arbeit der HuK - in den Kirchen zum Dauerbrenner geworden. Es geht dabei hauptsächlich um die Fragen:
Hinter dem - besonders von konservativ-evangelikaler Seite - polemisch geführten Streit stehen andere, weitergehende Themen:
Zu diesen Themen wollen wir im Gegenüber zur EKD Stellung beziehen.
Die EKD sagt: Bibelstellen zur Homosexualität sind auf dem Hintergrund ihrer zeitlichen Entstehung und der damaligen kulturellen Einflüsse zu sehen. Sie können nicht mehr wörtlich angewandt werden und sind heute keine Richtlinie mehr für den Umgang mit Schwulen und Lesben.
Die HuK sagt: "Wie schön, daß diese Erkenntnis sich endlich durchgesetzt hat!"
Die EKD sagt: Ehe und Familie waren in den letzten 2000 Jahren großen gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen. Unser heutiges Eheverständnis unterscheidet sich stark von dem zur Zeit der Entstehung der Bibel.
Die HuK sagt: "Wir stimmen dem zu, erwarten aber, daß daraus auch Konsequenzen gezogen werden!"
Die EKD meint: Ehe und Familie seien die sozialen Leitbilder für das Zusammenleben von Menschen. Auf die heute gelebte Form von Ehe und Familie hin sei das biblische Menschenbild "hingeordnet". Homosexuelle Partnerschaften seien demgegenüber defizitär.
Die HuK sagt: "Die Ehe ist eine Form der Partnerschaft, eine Form. Familie bedeutet das verbindliche Zusammenleben von zwei oder mehr Generationen, die nicht zwangsläufig miteinander verwandt sein müssen. Die Bibel hat unsere heutige Form von Ehe und Familie nicht im Blick (denn die entstand erst im 19. Jahrhundert!). Daher kann christlich verantwortete Partnerschaft sich nicht an ihrer Form entscheiden, sondern an ihrer Qualität (und dazu finden wir Leitlinien in der Bibel)!"
Die EKD meint: Sexualität hat einen eigenen Wert und dient nicht nur der Fortpflanzung. Sie finde in der "Geschlechtergemeinschaft" von Mann und Frau ihre Erfüllung. Wenn Homosexuelle nicht enthaltsam leben könnten oder wollten, so sollten sie eine verantwortliche Partnerschaft eingehen. Homosexuelle Praxis widerspreche aber dem Willen Gottes.
Die HuK sagt: "Jede verantwortlich gelebte Sexualität ist von Gott gewollt! Es ist eine Unverschämtheit, pauschal homosexuelle Praxis als dem Willen Gottes widersprechend zu bezeichnen, nachdem zuvor die Zeitbedingtheit der biblischen Aussagen zur Homosexualität festgestellt wurde. An der Herabwürdigung lesbischer und schwuler Sexualität durch die EKD hat sich also nichts verändert!"
Die EKD hat Angst vor fundamentalistisch-evangelikalen Kreisen. Diese drohen seit langem mit Kirchenspaltung, falls die evangelischen Landeskirchen eine Öffnung für Lesben und Schwule vollziehen sollten. Dabei werden biblische Erkenntnisse nicht in die Praxis umgesetzt. Lieber wird der Exodus bzw. Austritt von Lesben und Schwulen aus der Kirche stillschweigend geduldet.
Die HuK sagt: "Kirche hat die Aufgabe, sich auf die Seite der Schwachen zu stellen (in diesem Fall sind es noch immer die Lesben und Schwulen) und nicht mit Machtkalkül zu jonglieren.!"
Die EKD meint: Grundsätzlich sei die Einstellung homosexueller PfarrerInnen möglich. Es werde allerdings die Erfüllung von "Verträglichkeitskriterien" erwartet: Homosexualität dürfe nicht zum Verkündigungsinhalt gemacht werden, die "Leitbildfunktion von Ehe und Familie" müsse anerkannt werden.
Die HuK sagt: "Wer von PfarrerInnen aufgrund ihres Amtes eine Sondermoral verlangt, hat ein unevangelisches Amtsverständnis! Darüber hinaus haben lesbische und schwule PfarrerInnen anderes und besseres zu tun, als gegen die Ehe zu wettern und für Homosexualität zu "werben". Im Übrigen ist die zentrale Botschaft unseres Glaubens das Evangelium von Jesus Christus und nicht die Verkündigung einer dem Wandel der Zeit unterworfenen Form des Zusammenlebens!"