HuK Startseite

  Was hat die APA wirklich gesagt?  

[Letzte Aktualisierung: 28.06.2007 ]

HuK-Startseite

Aktuelle Themen

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V., Dokumentation

Positionserklärung der APA (American Psychiatric Association) zu Konversions-Therapien

Es ist bekannt, dass der angesehene amerikanische psychiatrische Fachverband APA (American Psychiatric Association) im Jahr 1973 Homosexualität aus seiner Liste der psychischen Krankheiten gestrichen hat. Von interessierten Kreisen wird in den letzten Jahren (2005-2007) zunehmend die Auffassung verbreitet, dies sei doch eigentlich keine fachlich fundierte Entscheidung gewesen, die Entscheidung sei nur auf politischen Druck interessierter Kreise (politisch links, liberal, 68er-Nachfolger, oder wie man es nennen mag), erfolgt. So kann man es z.B. in einer grundlegenden programmatischen Schrift (Christl Vonholt) des einschlägig engagierten "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft" (DIJG) lesen.
Diese Auffassung wird auch von prominenten evangelikalen Predigern wie Ulrich Parzany aufgegriffen, siehe z.B. Parzanys Rechtfertigung seiner umstrittenen Äußerungen in einer Predigt der Reihe "Gottesdienst als Endeckungsreise".

Die im Folgenden wiedergegebene ausführliche Stellungnahme des Aufsichtsrats ("Board of Trustees") der APA aus dem Jahr 2000 (27 Jahre nach der ursprünglichen Entscheidung) zeigt, dass diese Entscheidung des großen amerikanischen Fachverbands keinesweg eine politisch erzwungene Augenblicksentscheidung war.

Amerikanische Psychiatrische Vereinigung (American Psychiatric Association), Kommission zu Psychotherapie durch Psychiater (COPP)

Positionspapier zu Therapien, die sich auf auf Versuche konzentrieren, die sexualle Orientierung zu ändern (Reparative oder Konversions-Therapien)

Präambel

Im Dezember 1998 hat der Aufsichtsrat (Board of Trustees) ein Positionspapier herausgegeben [mit dem Inhalt], dass die amerikanische psychiatrische Gesellschaft sich gegen jede psychiatrische Behandlung wendet, wie [zum Beispiel] "reparative" oder Konversionstherapien, die auf der Annahme basiert, dass Homosexualität an sich eine geistige Verwirrung darstellt ist oder die auf der vorab zugrunde gelegten Annahme beruht, dass ein Patient / eine Patientin seine/ihre homosexuelle Orientierung ändern sollte. Damit hat die APA sich vielen anderen Fachverbänden angeschlossen, die "reparative" Therapien ablehnen oder kritisieren, unter anderen die Amerikanische Akademie der Kinderärzte (American Academy of Psychiatricas), die Amerikanische Medizinischen Vereinigung (American Medical Association), die Amerikanische Psychologischen Vereinigung (American Psychological Association), die Amerikanische Vereinigung von Beratern (American Counceling Assiciation), und die Nationale Vereinigung von Sozialarbeitern (National Association of Social Workers).

Die folgende Positionserklärung entfaltet und erläutert die Erklärung, die vom Aufsichtsrat (Board of Trustees) abgegeben wurde, um sich mit Bedenken aus dem allgemeinen Publikum und der Fachwelt zu befassen, wenn es um Therapien geht, die entworfen wurden, um die sexuelle Orientierung oder die sexuelle Identität eines Patienten zu verändern. Sie ersetzt die Erklärung von 1998 nicht, sondern ergänzt sie eher.

Positionserklärung

In der Vergangenheit stützte die Definition von Homosexualität als Krankheit die gesellschaftliche Mißbilligung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Im gegenwärtigen sozialen Klima kommt die Behauptung, dass Homosexualität eine mentale Normabweichung sei, von Anstrengungen her, die wachsende soziale Anerkennung der Homosexualität in der Gesellschaft als eine normale Variante menschlicher Sexualität zu diskreditieren. Dementsprechend ist die Frage nach einer Änderung der sexuellen Orientierung eine hochpolitische Sache geworden. Die Integration von Schwulen und Lesben in die amerikanische Normalbevölkerung wird von denen bekämpft, die fürchten, eine solche Integration sei moralisch falsch, und sie sei schädlich für das soziale Gewebe [der Gesellschaft]. Die politische und moralische Debatte um die Sache hat die wissenschaftlichen Daten verdunkelt, indem sie die Motive und sogar den Charakter von Einzelpersonen auf beiden Seiten in Frage stellte. Diese Dokument versucht, Licht in die überhitzt diskutierte Frage zu bringen.

Die Gültigkeit, Wirksamkeit und ethische Wünschbarkeit von klinischen Versuchen, die sexuelle Orientierung einer einzelnen Person zu ändern, ist in Frage gestellt worden. Derzeit gibt es keine wissenschaftlich bewiesenen Ergebnisstudien, die die wirkliche Wirksamkeit oder Schädlichkeit von reparativen Behandlungen bestimmen ließen. Es gibt nur vereinzelt wissenschaftliche Daten zu Auswahlkriterien, Risiko gegenüber Nutzen der Behandlung, und langfristige Auswirkungen von reparativen Therapien. Die Fachliteratur besteht aus Einzelberichten von einzelnen Personen, die behaupten, eine Änderung erfahren zu haben, von Personen, die behaupten, Änderungsversuche seien für sie schädlich gewesen, und anderen, die [zunächst] behaupteten, sich geändert zu haben, und die später solche Behauptungen widerrufen haben.

Obwohl nur wenige Daten über Patienten vorliegen, ist es doch möglich, die Theorien auszuwerten, auf deren Grundlage die Durchführung von "reparativen" oder Konversions-Therapien erfolgt. Als erstes widersprechen sie der wissenschaftlichen Position der Amerikanischen Psychiatrie-Vereinigung (American Pychiatric Association), die seit 1973 gesagt hat, dass Homosexualität an sich keine geistige Störung ist. Die Theorien der "reparativen" Therapie definieren Homosexulität als Stehenbleiben auf einer frühen Entwicklungsstufe, eine ernste Form einer Psychopathologie, oder eine irgendwie geartete Kombination von beidem. In den letzten Jahren haben bekannte Praktiker der "reparativen" Therapie offen ältere psychoanalytische Theorien, die Homosexualität als Krankheit auffasen, mit traditionellen religiösen Glaubensvorstellungen, die die Homosexualität verurteilen, verbunden.

Die ältesten wissenschaftlichen Kritiken der frühen Theorien und religiösen Glaubensvorstellungen zu "reparativen" oder Konversions-Therapien kamen von sexualwissenschatlichen Forschern. Später gab es auch Kritik aus psychoanalytischen Quellen. Es gibt auch eine zunehmende Menge von religiöser Literatur, die gegen traditionelle biblische Interpretationen argumentiert, die den religiösen Richtungen der "reparativen" Therapien zugrunde liegen.

Empfehlungen

  1. APA bekräftigt seine Position von 1973, dass Homosexulität an sich keine diagnostizierbare Geistesstörung ist. Neuere Publikationen, die Homosexualität wieder zur Krankheit erkären wollen, indem sie behaupten, sie könne geheilt werden, sind oft nicht von ernsthafter wissenschaflicher oder psychiatrischer Forschung motiviert, manchmal von religiösen oder politischen Kräften, die sich gegen volle Bürgerrechte für Schwule und Lesben richten. APA empfiehlt, dass die APA schnell und in sachkundiger Weise als eine wissenschaftliche Vereinigung reagiert, wenn von politischen oder religiösen Gruppen behauptet wird, Homosexualität sei eine heilbare Krankheit.
  2. Als allgemeines Prinzip sollte der Therapeut nicht das Ziel der Behandlung durch Zwang oder subtile Einflussnahme bestimmen. Psychotherapeutische Maßnahmen, um Homosexualität umzukehren oder zu "reparieren", sind auf Entwicklungstheorien gegründet, deren wissenschaftliche Gültigkeit fraglich ist. Außerdem stehen Einzelberichten über "Heilungen" andere Einzelberichte über seelische Schädigungen gegenüber. In den letzten vierzig Jahren haben "reparative" Therapeuten keine streng wissenschaftlichen Forschungsergebnisse produziert, die ihre Behauptungen von Heilungserfolgen untermauern. Bis es solche wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse gibt, empfiehlt die APA ethisch verantwortlichen Praktikern, von Versuchen, die sexuelle Orientierung einzelner Personen zu ändern, Abstand zu nehmen, in Befolgung des medizinischen Prinzips "Zunächst einmal, tue nichts, was schädlich ist".
  3. Die Fachliteratur zur "reparativen" Therapie macht es schwierig, wissenschaftlich fundierte Auswahlkriterien für ihren Behandlungsmodus zu formulieren. Diese Literatur ignoriert nicht nur, wieviel ein soziales Stigma Anstrengungen motivieren kann, sich von Homosexualität heilen zu lassen, es ist Literatur, die selbst aktiv Homosexualität stigmatisiert. "Reparative" Therapie tendiert auch dazu, Behandlungserfolge überzubetonen, während mögliche Risiken für die Patienten vernachlässigt werden. APA ermutigt und unterstützt Forschung innerhalb des NIMH (National Institute for Mental Health = Nationales Amt für Selische Gesundheit) und der Welt der akademischen Forschung, um weitere Aufschlüsse über "reparative" Therapien zu erhalten: Risiken einerseits, Nutzen andererseits.

Quelle:

Sexual Conversion Therapy. Ethical, Clinical and Research Perspectives. Ariel Shidlo, Michael Schroeder, Jack Drescher (Hrsg.). The Haworth Medical Press, New York usw. 2001, S. 204-208 (Anhang 2 zum Aufsatz von Jack Drescher: Ethical Concerns Raised When Patients Seek to Change Sam-Sex Attractions).
Die umfangreiche Literaturliste der amerikanischen Originalveröffenlichung (46 Literaturverweise) ist hier nicht wiedergegeben.

Im Internet/Web findet man das englischsprachige Original auf einer Webseite der "American Psychiatric Association" (gefunden am 28.6.2007).

Übersetzung: Reinhold Weicker