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  HuK und "Wüstenstrom": Ein kritischer Rückblick  

[Letzte Aktualisierung: 03.06.2008 ]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

HuK-Text vom Sept. 2007 | Wuestenstrom-Leserbrief vom Aug. 2007 | HuK-Nachtrag vom Nov. 2007 | HuK-Nachtrag vom Mai 2008 | Links zu Teilnehmer-Berichten, Mai 2008

Die HuK und der Verein "wuestenstrom e.V.": Ein kritischer Rückblick

Diese Webseite ist eine notwendige Ergänzung (Stand: 7.9.2007, nochmals erweitert am 7.11.2007) zu einer schon länger bestehenden Webseite mit der Überschrift "Gespräch der HuK-Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" mit Markus Hoffmann ("wuestenstrom e.V.")". Die genannte Webseite behandelte nur einen Teilaspekt (Gespräch im Oktober 2006); die Reaktionen darauf sowie neuere Entwicklungen zeigen uns aber, dass es nötig ist, dieses Gespräch in seinem ganzen Kontext darzustellen. Insbesondere soll damit Gerüchten entgegengetreten werden, es gebe eine "Vernetzung" (dieser Begriff ist gemeinhin nur vage definiert und bedeutet i.a. so etwas wie "Verbindung halten zum Zweck einer Zusammenarbeit") zwischen HuK und Wüstenstrom. Eine solche hat es aus unserer Sicht nie gegeben.

Da manchmal die Begriffe "Vernetzung" und "Verlinkung" durcheinandergebracht werden, sei an die Aussage erinnert, die auch in unserem Impressum steht: Die Aufnahme von Links in Webseiten stellt keine Empfehlung der HuK e.V. dar. Auch auf dieser Webseite sind einige Links zu externen Webseiten, z.B. zu denen von Wüstenstrom, enthalten; sie stellen Quellenverweise für Interessierte und keine Empfehlung anderer Webseiten oder der dahinter stehenden Organisationen dar.

Kurze Zusammenfassung

Es liegt sicher in der Verantwortung eines/einer jeden Einzelnen, von Angeboten "Veränderung im Bereich Homosexualität" Gebrauch zu machen oder auch nicht;
wir können aber nach dem, was wir über Wüstenstrom wissen, von einer Beratung durch diese Organisation nur abraten.

Der obige zusammenfassende Text ist die Konsequenz aus den in den folgenden Abschnitten beschriebenen Erfahrungen und Beobachtungen zu der Beratungsorganisation "Wüstenstrom". Wir empfehlen, selbst nachzulesen, wie wir zu dieser Auffassung gekommen sind.

Gespräche und Beobachtungen zu HuK und Wüstenstrom

Der Verein "wuestenstrom e.V." existiert schon seit längerer Zeit; er versteht sich als "eine Organisation, die von Betroffenen für Betroffene gegründet wurde." (aus den Webseiten von Wüstenstrom, Seite "Wer wir sind", Stand 4.9.2007). Schon in früheren Jahren gab es, damals vor allem verbandsintern in unserem Mitgliedermagazin "HuK Info", eine kritische Auseinandersetzung mit dem erkennbaren Bemühen von Wüstenstrom, Homosexuelle dazu zu bringen, ihre Homosexualität abzulegen. Dies wurde und wird auch noch kurz oft als "Umpolung" bezeichnet; Wüstenstrom wendet sich allerdings gegen diese Bezeichnung und sagt, dass sie die eigene Arbeit nicht korrekt wiedergebe.

Im Frühjahr 2005 bildete sich innerhalb der HuK eine Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir". Sie versuchte, in Gesprächen, in dem man nicht sich gegenseitig von vornherein den Glauben abspricht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die man als "evangelikale Wortführer" bezeichnen kann. Zu diesen gehörte auch Wüstenstrom, mit Vertretern von Wüstenstrom (konkret: mit Markus Hoffmann und Stefan Schmidt) fand am 7. Oktober 2006 ein Gespräch statt (Bericht siehe eigene Webseite).

Der Bericht war von vornherein als Bericht der Teilnehmer aus der HuK-Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" gedacht. Er wurde zwar aus Gründen der Fairness Wüstenstrom zur Verfügung gestellt, und Wüstenstrom wurde angeboten, eine eigene Ergänzung aus ihrer Sicht beizusteuern (was nicht geschehen ist). Ein "Protokoll" im Sinne einer von beiden Seiten offiziell gebilligten Fassung sollte er aber nicht sein und war er nicht.

Bald nach dem Erscheinen der damaligen Webseite gab es kritische Rückmeldungen innerhalb und außerhalb der HuK:

Alle diese Anhaltspunkte stellen die Selbst-Charakterisierung der Wüstenstrom-Beratung als "ergebnisoffen" doch wieder erheblich in Frage. Dazu kommt, dass Wüstenstrom Gesprächen mit der HuK-Arbeitsgruppe, bei denen über kritische Punkte, die nach dem Okober-Gespräch sichtbar wurden, gesprochen werden sollte, aus dem Weg zu gehen scheint:

Konsequenzen aus HuK-Sicht

Aus allen diesen Gründen müssen wir annehmen, dass die HuK und ihre Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" für Wüstenstrom im Wesentlichen nur dazu nützlich waren, eine Art "Seriositätsbescheinigung" zu liefern (Gesprächsbericht vom Oktober 2006), dass man aber kritischen Nachfragen aus dem Weg gehen will.

Die Arbeitsgruppe "Evangelikale und Wir" hält nach wie vor daran fest, dass sie versucht hat, "mit evangelikal geprägten Menschen das Gespräch über Glauben und Homosexualität zu suchen." Der Bericht vom Oktober gibt in diesem Zusammenhang den Eindruck, den sie damals von den Wüstenstrom-Vertretern bekam, wieder.
Die anderen, oben genannten Anzeichen, vor allem der Idea-Leserbrief vom 29.8.2007 lassen aber vermuten, dass es sich bei der Beratungsarbeit von Wüstenstrom doch nur um "alten Wein in neuen Schläuchen" handelt (Man spricht jetzt von "Veränderung" und wehrt sich gegen die angebliche Unterstellung, dass man auf "Umpolung" abziele).

Es liegt sicher in der Verantwortung eines/einer jeden Einzelnen, von Angeboten "Veränderung im Bereich Homosexualität" Gebrauch zu machen oder auch nicht; wir können aber nach dem, was wir über Wüstenstrom wissen, von einer Beratung durch diese Organisation nur abraten.

Die HuK hat in ihrer Grundsatzerklärung formuliert: "Gottes Handeln in der Welt, von dem die Bibel Zeugnis gibt, erfahren wir als befreiende Botschaft. Befreite Menschen lädt Gott in eine Gemeinschaft ein, in der Gerechtigkeit herrschen soll und die Menschenwürde beachtet wird. Dieses gibt vielen Lebensformen Raum zur Entfaltung gelingenden Lebens." Diese Überzeugung steht offenbar im Gegensatz zu dem, was Wüstenstrom vertritt.

Der Vollständigkeit und Ehrlichkeit halber wollen wir sagen, dass wir auch von Menschen gehört haben, die ihre Beratung durch Wüstenstrom als hilfreich empfunden haben. In einem Fall sei jemandem, der mit seiner Situation als homosexueller Christ im Reinen gewesen sei, empfohlen worden, dabei zu bleiben.
Das Problem sehen wir darin, dass eine solche gefestigte Haltung bei den Klienten von Wüstenstrom eher die Ausnahme sein dürfte: Sie stammen vermutlich überwiegend aus Kreisen, in denen ihnen gesagt wird, Homosexualität sei Sünde, oder eine Krankheit, oder eine Störung aus früher Kindheit, oder veränderbar, auf jeden Fall problematisch. Nach der Aussage im Idea-Interview vom 26.12.2006 "Hoffmann: Für uns persönlich ist nicht alles möglich. Die Klienten wissen, dass wir uns als Berater gegen das Ausleben von Homosexualität entschieden haben" werden sie bei Wüstenstrom jedenfalls nicht Menschen kennenlernen, die ihr Christsein und ihr Homosexuell-Sein in einer guten Weise vereinbaren können. Dazu müssen sie schon Menschen in einer der christlichen schwul-lesbischen Organisationen wie HuK, Zwischenraum, Queer-Gottesdienste, LuK, WeSTh usw. kennenlernen, oder eben einfach in christlichen Gemeinden, in denen Schwule und Lesben offen leben können und akzeptiert werden (Die gibt es!). Diese Vision, die gar nicht so selten auch Realität wird, haben wir z.B. beim Kirchentag in Köln 2007 gespürt; sie ist in dem oben zitierten Satz aus den HuK-Grundsätzen angesprochen.


"Veränderung ist möglich". Leserbrief von Markus Hoffmann (Leiter von "wuestenstrom e.V.") an Idea Spektrum, veröffentlicht in der Ausgabe 35/2007 (erschienen am 29.8.2007)

[Überschrift, von Idea Spektrum, zu einer Gruppe von drei Leserbriefen:] Wie können Christen Homosexuellen am wirklungsvollsten helfen?
Zur Meldung "Kontroverse: Ist Homosexualität heilbar" (Nr. 27, S. 14) sowie zum Leserbrief von Günter Baum (Nr. 30, S. 5). In den USA ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Homosexualität angeboren und unveränderbar oder eine heilbare Verhaltensstörung ist.

Eine in einzelnen Worten oder Satzteilen geringfügig andere Fassung des Leserbriefs, möglicherweise eine erste Fassung, an der dann noch redaktionell gefeilt wurde, steht auf der Webseite von Wüstenstrom Schweiz unter der Überschrift "Veränderung oder Abstinenz".

Veränderung ist möglich

Idea hat ein Dilemma aufgegriffen, das von der christlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird und das viele Menschen mit homosexueller Orientierung in Verwirrung stürzt, wenn sie sich auf den Weg der Veränderung machen. Das Dilemma besteht darin, dass in der sogenannten Ex-Gay-Arbeit zwei divergierende Auffassungen von Veränderung von Homosexualität existieren. Die eine beschreibt Alan Chambers, Direktor der christlichen Organisation Exodus International, die Homosexuellen beim Verlassen ihres Lebensstils hilft. Er sagt, die meisten früheren Homosexuellen hätten ihr Verlangen weitgehend im Griff. Es gehe in der Hauptsache darum, sein homosexuelles Verhalten zu kontrollieren. Er rechnet nicht damit, dass es eine Veränderung homosexueller Gefühle gibt. Dagegen spricht Stephen Bennett, ebenfalls Leiter einer Beratungsorganisation zum Ausstieg aus der Homosexualität, klar von einer tiefgreifenden Veränderung seiner eigenen homosexuellen Orientierung. Er spricht sich für einen Weg aus, der auf die Veränderung der Gefühle abzielt. Der wunde Punkt liegt darin, dass viele homosexuell empfindende Christen, die sich auf den Weg der Veränderung machen, oft nicht wissen, auf welche der beiden Richtungen sie sich einlassen. Meine eigene bittere Erfahrung und Beobachtung als ehemals Betroffener und Berater ist dabei, dass man als Ratsuchender oft über lange Jahre darüber im Unwissen gelassen wird, was die Seelsorger oder sogar die Seelsorgevereinigungen unter Veränderung von Homosexualität verstehen. Ich selbst habe erleben müssen, dass verschiedene große Leiter der Ex-Gay-Bewegung erst auf Nachfrage preisgaben, dass sie eigentlich keine Veränderung erlebt, sondern ihre Homosexualität nur im Griff haben. Sie gehen mit ihr um wie ein trockener Alkoholiker, der versucht, abstinent zu leben. Aus meiner jahrelangen Arbeit mit homosexuellen Menschen weiß ich, dass Veränderung in diesem Bereich ein schweres Unterfangen ist, dass sie aber möglich ist. Sie ist möglich, weil die meisten Menschen mit einem homosexuellen Problem, denen ich in den letzten zehn Jahren begegnet bin (mit über 3.000 habe ich selbst gesprochen), ihre homosexuellen Gefühle zur Ich-Stabilisierung benötigen. Dabei erleben sie Beziehungen zum gleichen Geschlecht oft auf dem emotionalen Niveau eines Sechsjährigen oder eines Pubertierenden. Könnten solche Menschen aber in ihrem Selbst nachreifen, dann könnten sie die Homosexualität als stabilisierendes Moment ihrer Gefühle hinter sich lassen. Allerdings brauchen die Betroffenen dafür psychotherapeutische Hilfe von geschulten Personen und Christen, die ihnen beim Nachreifen helfen. Leider müssen wir aber auch erleben, dass Menschen, die ihre homosexuellen Gefühle immer nur im Griff haben und kontrollieren, irgendwann unter der Last dieser Gefühle zusammenbrechen und dann einen schwulen oder lesbischen Lebensentwurf wählen.

Markus Hoffmann, Leiter von wuestenstrom e.V., 77732 Tamm


Weiterführung (Reinhold Weicker, 17.10.2007, zuletzt modifiziert 7.11.2007): Einige Anmerkungen zu dem Wüstenstrom-Text "Mißlungener Dialog mit HuK" (auf einer Wüstenstrom-Webseite, undatiert, veröffentlicht ca. 18.9.2007)

Vorbemerkung, nicht nur technischer Natur:

Einige Zeit nach der Veröffentlichung der hier vorliegenden (neuen) HuK-Webseite zu Wüstenstrom hat Wüstenstrom unter der Überschrift "Misslungener Dialog mit HuK" eine Webseite veröffentlicht, die über ca. fünf Druckseiten hinweg zu zeigen versucht, wie sehr in "ihrer neuesten Darstellung" (gemeint ist diese Webseite) die Huk nur in einem "eingeschränkten und einschränkendem Rahmen" vorgehe.
Der Leser / die Leserin wird sich fragen: Gegen welchen Text der HuK verwehrt sich Wüstenstrom denn so vehement? In wissenschaftlicher Literatur ist seit langem üblich, dass man die verwendeten Quellen - auch die, mit denen man sich kritisch auseinandersetzt - angibt. In Zeiten des Internets/WWW geschieht das typischerweise durch einen "Link", so dass der Leser / die Leserin den Text gleich selbst lesen kann und nicht erst mit Google usw. suchen muss. Ich habe in den Texten, die ich formuliert habe, diese mir selbstverständlich erscheinende Form der Höflichkeit und der sachlichen Auseinandersetzung beachtet und auf einige Wüstenstrom-Texte mit Link verwiesen (ein Link stellt einen Quellenverweis dar, keine Empfehlung!). Wüstenstrom hat weder für den Bericht vom Oktober 2006 noch für unseren neueren Text einen solchen Link angegeben: Fünf Seiten Kommentar, wie unsachlich die HuK sei, aber kein Wort oder Verweis darauf, wo denn diese Unsachlichkeit passiert sei: Kein gutes Zeichen für eine seriöse Auseinandersetzung.

Thema "Unser Gespräch im Oktober 2006"

Hier wird moniert, dass es von Seiten der HuK "zwei Mahnungen" gegeben habe. Tatsächlich habe ich bei einer zunächst von Wüstenstrom veröffentlichten Version die Formulierung kritisiert, dass der Text als "in Absprache ... mit ... Huk" entstanden dargestellt wurde, und hatte an Wüstenstrom geschrieben: Kenntnis ja, aber Absprache nein. (Wüstenstrom ist im Layout seines Textes schließlich dieser Aufforderung gefolgt.) Ist es unberechtigt, das zu tun?

Thema "Umpolung"

Wer unsere Webseite - auch die frühere Version - genau liest, wird feststellen, dass ich nicht behauptet habe, Wüstenstrom würde den Begriff "Umpolung" verwenden, und auch nicht, Wüstenstrom hätte ihn früher verwendet. Er wird aber als Kurzbegriff in der öffentlichen Diskussion verwendet, und die HuK hatte ihn für ihre Resolution "Bejahung statt Umpolung" verwendet. Die Umschreibung des kurzen Wortes "Umpolung" als "ein Ziel, das man kurz als "Umpolung" bezeichnen kann" oder "Veränderung der Gefühle von der Homosexualität weg" scheint mir nicht unangemessen zu sein.

Thema "Freundschaftsnetzwerk"

Hier ist schon absurd, wie die Tatsache, dass ich aus der Home Page des Freundschaftsnetzwerks zitiert habe, lächerlich gemacht wird. Wüstenstrom schreibt: "Wir haben in unserem Rundbrief des Öfteren darauf verwiesen". Das mag sein; ich habe aber nie ein Exemplar des genannten Rundbriefs gelesen; ich nehme an, dass dies eher interne Mitteilungen an Freunde und Förderer von Wüstenstrom sind. Was ist Lächerliches daran, wenn man in einer kritischen Darstellung bewusst öffentlich zugängliche Äußerungen zitiert?

Thema "Ergebnisoffenheit", Fachliteratur

Hier wird der HuK empfohlen, sich mit der "einschlägigen Fachliteratur" zu beschäftigen. Valeria Hinck von der Gruppe Zwischenraum hat in einem ausführlichen Artikel "Grotesk": Ex-Gay-Literatur und die Wissenschaftler, auf die sie sich beruft beschrieben, wie Günter Baum (Zwischenraum) sich bei dem von Wüstenstrom an prominenter Stelle zitierten Sexualwissenschaftler Prof. Gunter Schmidt erkundigt hat. Ergebnis (Zitat von Gunter Schmidt): "Daraus [aus meinem Aufsatz] abzuleiten, Homosexuelle sollten therapeutisch umgepolt werden, ist ein dreistes oder dummes, in jedem Fall manipulatives Unverständnis meines Aufsatzes". (Gunter Schmidt verwendet hier ebenfalls den Kurzbegriff "umgepolt": Wenn man ihn nicht mag, kann man ihn gern ohne Verfälschung durch den schöner klingenden Begriff "zu einer Änderung der sexuellen Orientierung veranlasst" ersetzen.)
Ich verzichte darauf, hier ausführlicher zu argumentieren; wer Interesse hat, kann gern auf der genannten Webseite nachlesen.

Thema "Nicolosi und Ichdystone Sexualorientierung"

Bewusst hatte ich nicht geschrieben, dass sich Wüstenstrom direkt die umstrittenen Thesen des amerikanischen Psychiaters Dr. Joseph Nicolosi zu eigen mache, ich schrieb, es seien "Parallelen unverkennbar". Wüstenstrom schreibt nun einerseits "Wir haben keinen Grund, uns von Nicolosi abzugrenzen", und andererseits "Wir verwenden den Ausdruck der ich-dystonen Sexualität jedenfalls gemeinhin nicht. Wenn, dann verwenden wir den Begriff 'ichdystone Sexualorientierungen'.". Hier muss ich tatsächlich zugeben, dass ich oben präziser "ich-dystone Sexualorientierung" statt "ich-dystone Sexualität" hätte schreiben sollen - allerdings wird der feine Unterschied in der Bezeichnung kaum jemandem aufgefallen sein. Der Ausdruck "ich-dystone Sexualorientierung" und das zugehörige Berufen auf ICD-10 F66.1 scheint mir allerdings doch eine wesentliche Rolle bei Wüstenstrom zu spielen: Einer der beiden von Wüstenstrom-Referenten angekündigten Workshops zum Grazer Kongress "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie" (der Workshop wurde dann schließlich zurückgezogen) hatte explizit als Thema "Therapeutisches Arbeiten bei ichdystoner Sexualorientierung". "Dialogische enttraumatisierende Arbeit als Kernmethodik" war in der Ankündigung genannt, und es war davon die Rede, dass man dazu fachkundig sei durch "über zehnjährige[n] Erfahrung" und durch "eigene[r] Betroffenheit vom Thema der ichdystonen Sexualorientierung".
In einer Kurz-Charakterisierung der Nicolosi-Theorie durch das ihm nahestehende "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" (DIJG) heißt es u.a. "Bei der männlichen Homosexualität geht es vor allem um die Erfahrung des Bindungsverlustes gegenüber dem Vater; die notwendige Bindung des Jungen an den Vater oder an eine wichtige männliche Bezugsperson ist nicht gelungen." Wüstenstrom spricht in seiner Webseite zu Homosexualität von "Abwesenheit oder emotionale Distanz des gleichgeschlechtlichen Elternteils" (als eine Ursache für Homosexualität) und nennt in einer Fußnote als bestätigende Literatur ausdrücklich das Buch "Nicolosi, Joseph: Reparative Therapy of Male Homosexuality; London 1991". Kann man da nicht zu Recht von Parallelen reden?

Konsistenz der Aussage

Wenn man es kurz zusammenfassen will, so war eine wesentliche Absicht des von mir formulierten HuK-Textes, zu erklären: Man kann es auf die Dauer nicht durchhalten,


Weiterführung (Reinhold Weicker, 20.5.2008, ergänzt 30.5./3.6. 2008): Den eigenen Leuten sagt man es ganz anders

Im Zusammenhang mit den öffentlichen Kontroversen um das "Christival" (30.4.-4.5.2008) betonte wuestenstrom e.V. wieder die bekannte Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit:
"Wüstenstrom e.V. führt die Beratungen auf der Grundlage genau ausgewiesener ethischer Grundlagen durch. Diese umfassen die Entscheidungsoffenheit der Beratung genauso wie die Klarstellung, daß wir jede Form der "Umpolung" wie auch der Konversionstherapie ablehnen." (in einer Erklärung vom 18.1.2008, veröffentlicht am 10.3.2008) auf den Webseiten des "Gemeindenetzwerks") Es heißt dort auch u.a. "Wir sehen es schon immer als unsere Aufgabe, Menschen zu begleiten, einerlei ob sie die Veränderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben oder nicht."

Ganz anders klang es bis vor kurzem auf den Webseiten von www.jesus.ch, einer Gründung von "Livenet": jesus.ch hatte unter "Ratgeber - Beziehungen" eine Webseite Beratung von Homosexuellen: Sechs Tipps veröffentlicht, als deren Autor Markus Hoffmann genannt wurde ("arbeitet für die christliche Initia­tive 'Wüstenstrom' ... "Zudem ist er der Koordinator von 'Living Waters Deutschland', ebenfalls eine Sexualberatungsinitiative"). Der vollständige Text der Webseite scheint auch in einer Zeitschrift veröffentlicht zu sein: "Neues Leben. Das christliche Ratgeber-Magazin. 17.1.2006".
Die Webseite bei jesus.ch wurde zwischen dem 20.5.2008 (dem Tag der letzten Weiterführung zur HuK-Webseite) und dem 25.5.2008 gelöscht; zur Dokumentation haben wir oben auf einen noch vorhandenen Eintrag in einem Internet-Webseiten-Archiv verlinkt.

In diesem Text ist von "Ergebnisoffenheit" und anderen "liberal" klingenden Worten nicht mehr die Rede. Statt dessen heißt es u.a. "Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Somit ist jeder Mensch grundsätzlich heterosexuell – und manche haben ein homosexuelles Problem." Unter der Überschrift "Eine solide Diagnose" heißt es: "Ungeeignet ist jede Diagnose, die festschreibt. So auch diejenige, mit der aufgrund der sexuellen Phantasien und Träume festgelegt wird, ob jemand ein unveränderbar Homosexueller ist oder eine heterosexuelle Veranlagung hat." Mit anderen Worten: Wenn fachlich geschulte Psychotherapeuten versuchen, anhand von sexuellen Phantasien oder Träumen herauszufinden (nicht: festzulegen), ob und wie stark jemand vielleicht homosexuell oder bisexuell empfindet, wird vor diesem Vorgehen ausdrücklich gewarnt. Denn (siehe oben): "Jeder Mensch ist grundsätzlich heterosexuell".
Auch die beliebte Theorie, dass man halt in der Kindheit als Schwuler nicht genügend Männlichkeit bzw. als Lesbe nicht genügend Weiblichkeit mitbekommen habe, wird wiederbelebt: "Wichtig für einen homosexuell fühlenden Menschen ist die Versöhnung mit den Personen, die ihn in seiner Männlichkeit, bzw. die sie in ihrer Weiblichkeit, verletzt oder behindert haben."

Ich kann nur empfehlen, sich die Webseite insgesamt anzusehen und sich dann zu fragen, wie das zu den Beteuerungen über "Ergebnisoffenheit" usw. passt, wenn hier (aber nur hier, nicht etwa in der allgemeinen Öffentlichkeit) nur noch von Menschen gesprochen wird, die "grundsätzlich heterosexuell" sind - nur vielleicht manchmal noch ein "homosexuelles Problem" haben.

Zur Einordnung von "jesus.ch" und "livenet.ch": Das Internet-Portal "jesus.ch" wurde von "Livenet" in der Schweiz gegründet. Auf seinen eigenen Webseiten (www.livenet.ch) beschreibt sich Livenet so: "Livenet wird offiziell von der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), dem Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG) unterstützt und wird von Werken wie Campus für Christus, Vereinigte Bibelgruppen (VBG), Agentur C, Männerforum, IVCG, CGS ideell mitgetragen."

Webseiten mit Teilnehmer-Berichten über wuestenstrom / Living Waters

Derzeit (Mai/Juni 2008) sind mir auf Webseiten im Internet vier Berichte von bzw. Interviews mit Menschen bekannt, die vergeblich versucht hatten, mit Hilfe von wuestenstrom / Living Waters von ihrer Homosexualität loszukommen.

Die vier Berichte sind, wie nicht anders zu erwarten, recht unterschiedlich; dies entspricht auch dem Ergebnis der Arbeit von Shidlo und Schroeder. Sie teilten Menschen, die in ihren Versuchen scheitern, durch Konversionstherapie von ihrer Homosexualität wegzukommen, in zwei Gruppen ein:

Während Bernd wohl der ersten Gruppe zuzurechnen ist, gehörten Andreas (2) und Thomas nach eigenem Bericht wohl wenigstens zeitweilig zur zweiten Gruppe. Andreas (1) berichtet davon, dass ein Hauskreis ihm schließlich half, wieder Selbstbewusstsein zu entwickeln ("Ich bin gerne schwul und ich bin von Gott so angenommen, wie ich bin"); er berichtet aber auch von einer vorangegangenen Phase mit einem Nervenzusammenbruch. Es ist verständlich und plausibel, wenn Personen der zweiten Gruppe seltener bereit sind, öffentliche Aussagen zu machen, als solche der ersten Gruppe.